RM Rudolf Müller
Verarbeitung von Steinwolle-Platten im Flachdachbereich.  Foto: Rockwool

Verarbeitung von Steinwolle-Platten im Flachdachbereich. Foto: Rockwool

Dämmstoffe
13. Juli 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Steinwolle: Mehr als nur Wärmedämmung

Steinwolle ist hierzulande einer der am häufigsten verbauten Wärmedämmstoffe. Neben der Wärmeisolierung absorbiert das Material auch Schall und ist geradezu unübertroffen in Sachen Brandschutz. Was viele nicht wissen: Der mineralische Werkstoff kommt gar nicht nur als Dämmstoff zum Einsatz. Auch in Form von sichtbaren Fassadenplatten sowie als Material für komplette Akustikdeckenelemente macht Steinwolle eine erstaunlich gute Figur.

Der Marktanteil von Mineralwolle (Steinwolle und Glaswolle) wird in Deutschland heute auf 50 bis 60 % geschätzt, wobei die Glaswolle daran allerdings den größeren Anteil hat. Mineralwolle insgesamt ist also mittlerweile Marktführer. Erst dahinter folgen die Hartschaumdämmstoffe auf Kunststoffbasis – allen voran EPS.

Zur Erinnerung: Der mineralische Dämmstoff Steinwolle wird aus Steinen wie Basalt, Kalkstein und Feldspat hergestellt. Diese schmilzt man bei hohen Temperaturen und verarbeitet sie anschließend zu Wollefasern weiter. Mithilfe von Bindemitteln entstehen dann zusammenhängende Dämmstoffplatten. Manche Hersteller geben auch bis zu 25 % Altglas in den Schmelzofen hinzu. Bei Glaswolle ist dagegen Altglas der Hauptrohstoff (70 bis 80 %).

Vielfältig einsetzbar

Rohrschale zur Kälteisolierung bei Trink- und Kühlwasserleitungen. Foto: Rockwool

Rohrschale zur Kälteisolierung bei Trink- und Kühlwasserleitungen. Foto: Rockwool

Die Beliebtheit von Steinwolle hängt neben ihrem relativ moderaten Preis nicht zuletzt damit zusammen, dass sie für sehr viele unterschiedliche Anwendungsbereiche nutzbar ist. Da Steinwolle-Platten meist eine höhere Rohdichte als Glaswolle-Produkte haben und dann druckfester sind, eignen sie sich im besonderen Maße auch für Aufsparrendämmungen sowie für Flachdach-, Dachboden- Kellerdecken- und Fußbodendämmungen. Zu hoch darf die Belastung aber auch nicht sein. Für eine Dämmung unterhalb der Bodenplatte von Gebäuden sollte man jedenfalls nicht auf Steinwolle setzen. Dort bedarf es noch weitaus druckfesterer und feuchteunempfindlicherer Materialien – in der Regel XPS.

Bei Zwischensparrendämmungen kommen vor allem Glaswolle-Produkte zum Einsatz, da diese meist flexibler und damit besser komprimierbar sind als Steinwolle. Allerdings werden auch flexible Klemmfilze aus Steinwolle angeboten. Für die Fassadendämmung (WDVS) ist Steinwolle zwar sehr gut geeignet, allerdings dominieren in diesem Bereich EPS und Neopor – vor allem aus Preisgründen. Aufgrund seiner Nichtbrennbarkeit verwendet man Steinwolle aber sehr häufig für die in neuen WDVS-Fassaden vorgeschriebenen Brandriegel.

Das positive Brandverhalten ist auch ein Hauptgrund dafür, dass Steinwolle oft als Kerndämmung für Holzrahmenbau-Wände gewählt wird. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Rohrschalen für die Dämmung von Heizungs- und Trinkwasserleitungen.

Gute Wärmedämmung – sehr guter Brandschutz

Natürlich überzeugt Steinwolle auch durch gute Wärmedämmeigenschaften. Die Wärmeleitfähigkeit des gelbgrünen bis graugrünen Materials liegt – in Abhängigkeit von der Rohdichte – zwischen 0,035 bis 0,050 W/mK. Je höher die Rohdichte, umso schwerer und druckstabiler ist der Dämmstoff. Mit zunehmenden Gewicht nimmt allerdings auch die Wärmeleitfähigkeit zu, das heißt die Wärmedämmung sinkt.

Je nach Anwendung produzieren die Hersteller Steinwolle-Platten von sehr unterschiedlicher Dichte. Das beginnt bei sehr porösen, flexiblen Platten mit einer Rohdichte um 30 Kilogramm pro Kubikmeter und endet bei besonders dichten und druckfesten Platten, die bis zu 220 kg/m3 auf die Waage bringen. Zum Vergleich: Glaswolle wird nur in Rohdichten von etwa 15 bis 150 kg/m3 produziert. Deshalb ist die Wärmeleitfähigkeit dieses Produkts im Durchschnitt etwas besser (0,032 bis 0,040 W/mK).

Wie oben bereits angedeutet, bietet Steinwolle ein Optimum in Sachen Brandschutz. Der Dämmstoff ist nichtbrennbar und wird in die höchste Baustoffklasse A1 nach DIN 4102 eingeordnet. Brandtests zeigen, dass das Material erst bei Temperaturen über 1.000 °C zu schmelzen beginnt. Der Schmelzpunkt von Glaswolle liegt dagegen deutlich tiefer, normalerweise bei maximal 700 °C. Der Hersteller Isover bietet übrigens mit dem Markenprodukt „Ultimate“ eine Hybridwolle, die sowohl Stein- als auch Glaswollefasern enthält und die ebenfalls einen Schmelzpunkt von über 1.000 °C aufweisen kann.

Schallschutz inklusive

Auch diese akustisch wirksamen, rahmenlosen „Eclipse“-Deckensegel und Wandpaneele bestehen im Kern aus Steinwolle. Foto: Rockfon

Auch diese akustisch wirksamen, rahmenlosen „Eclipse“-Deckensegel und Wandpaneele bestehen im Kern aus Steinwolle. Foto: Rockfon

Auch beim Schallschutz kann Steinwolle überzeugen. Nach Angaben des Herstellers Rockwool dämpfen ausreichend gedämmte Wände die Schallübertragung um über 50 dB, Wert), ungedämmte Wände dagegen nur um etwa 30 dB. Die Platten sind in hohem Maße in der Lage, Schall zu absorbieren. Kein Wunder, dass Steinwolle nicht nur als Wand- oder Dachdämmung, sondern zum Beispiel auch als zusätzliche Auflage auf Akustikdecken zum Einsatz kommt.

Mithilfe der porösen Platten werden insbesondere tiefe Schallfrequenzen besser „geschluckt“. Das ist auch ein Grund dafür, weswegen man Steinwolle gerne als Füllmaterial für Mauerwerk-Lochziegel mit Dämmstofffüllung verwendet. Natürlich hängt die Schallschutzleistung auch von der Rohdichte der jeweiligen Platten ab. Als Faustformel gilt: Je dichter das Material, umso geringer die Wärmedämmung, aber umso höher die Schalldämmung.

Die schalldämmenden Eigenschaften des Materials macht sich das zur Rockwool-Gruppe gehörende Unternehmen Rockfon zunutze, indem es Akustikdecken-Platten sowie akustisch wirksame Wandpaneele herstellt, die im Kern komplett aus Steinwolle bestehen. Diese werden von außen nur mit einer optisch ansprechenden Vlieshülle bespannt. Innen drinnen steckt 100 % Steinwolle.

Nach Angaben von Rockwool ist Steinwolle diffusionsoffen, lässt also Wasserdampf durch, ist zugleich aber wasserabweisend. Feuchtigkeit wird also nicht im Dämmstoff gespeichert, Regenwasser perlt vom Material ab. Der mineralische Werkstoff ist zudem unverrottbar und beständig gegen Schimmelpilze.

Pflegeleichte Fassadenplatten

Fassadentafeln aus Steinwolle in Holzoptik und in der Variante „Chameleon“. Fotos: Rockpanel

Fassadentafeln aus Steinwolle in Holzoptik und in der Variante „Chameleon“. Fotos: Rockpanel

Aber Steinwolle kann noch viel mehr als nur dämmen. Das ebenfalls zum dänischen Rockwool-Konzern gehörende Unternehmen Rockpanel hat sich auf Fassadenplatten aus Steinwolle spezialisiert. Dabei wird der Dämmstoff zur nichtbrennbaren und zugleich kostgengünstigen Fassadenverkleidung.

Die Platten lassen sich beispielsweise als Außenbekleidung einer Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade (VHF) montieren und sind genauso leicht zuzuschneiden und zu verarbeiten wie Holz. Bei dem eigentlichen Plattenkörper handelt es sich tatsächlich um ganz normale, aus Basaltgestein hergestellte Steinwolle, die allerdings an der Oberfläche mit einer wasserbasierten Farbe beschichtet wurde.

Dieses einfache Konstruktionsprinzip erlaubt eine riesige Auswahl an Designs – von verschiedenen Unifarben über Metall-, Holz- oder Steinnachbildungen bis hin zur „Chameleon“-Variante, die dank einer speziellen Kristalleffektschicht ihre Farbe ständig verändert – je nach Blickperspektive und Sonnenlichteinfall. Die Beschichtung schützt die Platten vor der äußeren Witterung und der UV-Strahlung der Sonne.

Besonders farbstabil und pflegeleicht ist die Fassade, wenn zugleich die Zusatzbeschichtung „Protect Plus“ zum Einsatz kommt. Verunreinigungen würden dann vom Regenwasser einfach weggespült – so Rockpanel. Mit Protect Plus ausgerüstete Platten seien zudem mithilfe eines Spezialreinigers leicht von Graffitis zu befreien.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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