Seit Mitte der 1980er-Jahre wird Blähglas-Granulat zunehmend im Bauwesen eingesetzt. In Reinform verwendet man die aus Altglas gewonnenen kleinen weißen Kügelchen als Schüttgut für Hohlraumdämmungen. Außerdem dienen sie als Leichtzuschlag für Baustoffe wie Mörtel, Putz, Spachtelmassen, Fliesenkleber und Leichtbeton. Drittens gibt es heute auch Leichtbauplatten aus Blähglas, die zum Beispiel für die Sanierung von Schimmelschäden zum Einsatz kommen.
Blähglas-Granulat hat viele positive Eigenschaften, die es für die Baustoffherstellung interessant machen. Die innen hohlen Kügelchen sind sehr leicht, zugleich aber erstaunlich druckstabil. Sie sind nicht brennbar sowie wärme- und schalldämmend. Das Granulat ist außerdem kälte-, hitze-, feuchte- und säurebeständig sowie schimmelresistent. Es handelt sich zudem um ein wohngesundes Material, das geruchsneutral und VOC -frei ist. Schließlich kann man das Altglas-Produkt jederzeit wieder einschmelzen und erneut recyceln.
Pionier Poraver
In der Baustoffbranche findet Blähglas seit Mitte der 1980er-Jahre zunehmend Verwendung. Damals brachte die deutsche Firma Dennert unter der Marke „ Poraver “ ein Blähglas-Granulat auf den Markt, das anfangs vor allem als wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative für den Leichtzuschlag Blähton in Leichtbeton -Mauerwerksteinen gedacht war.

Vor Dennert hatten auch schon andere Hersteller Patente für Blähglas-Granulat eingereicht, diese erforderten aber teure Spezialgläser als Rohstoff. Die Pionierleistung von Dennert bestand in der Entwicklung eines wirtschaftlichen Verfahrens zur Blähglas-Produktion, das auch mit kostengünstigem und zudem umweltfreundlicherem Altglas funktioniert.
Zur Herstellung des Granulats aus Altglas wird dieses zunächst gereinigt und dann gemahlen. Anschließend vermischt man das Glasmehl mit Binde- und Blähmitteln und zerkleinert die so entstandene Masse zu Granulat-Körnern. Diese werden in einem Ofen bei Temperaturen zwischen 800 und 900 °C aufgebläht. Als Ergebnis erhält man kleine Hohlkügelchen mit einer festen, geschlossenen Hülle von creme-weißer Farbe. Die Kugelgröße lässt sich – je nach Anwendungszweck – variieren. Typisch sind Durchmesser ab 0,04 bis hin zu 16 mm.
Blähglas ist übrigens nicht mit Schaumglas zu verwechseln, obwohl beide Produkte aus aufgeblähtem Altglas bestehen. Blähglas besteht wie gesagt aus losen Hohlkügelchen. Schaumglas dagegen wird als fest zusammenhängende Dämmstoffmasse hergestellt, die in Plattenform erhältlich ist. Schaumglas-Schotter erhält man, indem das Material gebrochen wird. Das Ergebnis sind dann aber eher scharfkantige Schüttgutbrocken, jedenfalls keine winzigen Kügelchen.
Schüttgut und Leichtzuschlag
Blähglas-Granulat in Reinform wird als loses Schüttgut eingesetzt. Da das Material gut isoliert, wird es zum Beispiel für Hohlraumdämmungen verwendet – etwa bei Holzbalkendecken . Die Wärmeleitfähigkeit der Kügelchen liegt – je nach Korngröße, Porenstruktur und Materialdichte – zwischen 0,040 und 0,090 W/mK.

Werden die Glaskugeln zur Überdeckung von Rohren oder Kabelkanälen im Bodenbereich verwendet, bietet das auch Vorteile für den Schallschutz. Auf Balkonen und Dachterrassen lässt sich das druckfeste und verrottungsresistente Material – als Alternative zu einer schweren Kiesschüttung – zudem gut für die Drainage unter dem Bodenbelag nutzen.
Noch häufiger als die genannten Schüttgut-Anwendungen kommen lose Blähglas-Kugeln allerdings als Zusatzstoffe in anderen Baustoffen zum Einsatz. So haben sie sich zum Beispiel als Leichtzuschlag für Beton , Mörtel , Putz , Estrich und Fliesenkleber bewährt.
Bauplatten aus Blähglas
Es gibt aber auch Leichtbauplatten aus Blähglas. Der deutsche Hersteller Verotec produziert diese bereits seit der Firmengründung im Jahr 1989. Aufgrund der Materialeigenschaften von Blähglas punkten diese Platten in unterschiedlichen Anwendungsbereichen unter anderem durch ihre hohe Beständigkeit gegenüber Hitze, Kälte und Feuchtigkeit. Mit „Veroboard Allstar“ bietet Verotec eine leichte Allround-Platte aus Blähglas, die sowohl im Außenbereich als Putzträgerplatte – vor allem im Holzbau – einsetzbar ist als auch für den trockenen Innenausbau und die Schimmelsanierung in Innenräumen.

Seine Blähglas-Leichtbauplatten fertigt Verotec aus Blähglas-Granulat und einem organischen Bindemittel . Auf beiden Seiten ist zudem ein alkalibeständiges Glasfasergewebe integriert. Das Ergebnis sind sehr stabile Bauplatten, die zugleich angenehm leicht sind und sich universell einsetzen lassen: als schall- und wärmedämmendes sowie nichtbrennbares Beplankungsmaterial für klassische Trockenbau-Innenwände ebenso wie als schimmel- und verrottungsresistentes Baumaterial für Feuchträume und Fassaden.
Apropos Fassade: Hier kommt Veroboard Allstar einerseits als Trägerplatte für Putz, Keramik, Naturstein oder sonstige Endbeschichtungen bei vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden ( VHF ) zum Einsatz. Auf der anderen Seite dient die Platte aber auch als „Stoßpuffer“ für stoßgefährdete Stellen an WDVS-Fassaden .
Blähglas-Leichtbauplatten lassen sich einfach mit dem Cutter zuschneiden und eignen sich aufgrund ihrer hohen Biegefähigkeit auch gut für gewölbte Untergründe. Die Plattenoberflächen verfügen zudem über ausreichend „Grip“, sodass man sie auch ohne vorherige Grundierung beschichten kann – zum Beispiel mit Putz.
Schimmelstopper Blähglas
Verotec vermarktet Veroboard Allstar nicht zuletzt als Anti-Schimmelplatte in Bad und Küche. Damit Wände dauerhaft schimmelfrei bleiben, müssen sie trocken sein, sich schnell erwärmen können und eine Oberfläche besitzen, auf der sich Schimmelsporen ungern ansiedeln. Plattenbaustoffe aus leichtporigem Blähglas verfügen über all diese Eigenschaften. Sie erwärmen sich schnell, sind mit einem pH-Wert von über 8 so alkalisch, dass Schimmelpilze kaum gedeihen können, und sind zudem in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft schadensfrei zwischenzuspeichern.

Aufgrund der genannten Eigenschaften kommt Veroboard Allstar häufig zur Sanierung schimmelgefährdeter Innenräume zum Einsatz. Der Hersteller bietet auch passende alkalische Klebe- und Beschichtungsprodukte an, die die Anti-Schimmelwirkung der Wandoberfläche noch verstärken. Die leichten Blähglas-Platten lassen sich ohne vorheriges Grundieren direkt auf gemauerte Wände verkleben und können dann anschließend ohne Vorbehandlung weiter beschichtet werden – mit Putz, aber auch mit Keramik oder Naturstein.
Verotec bietet passend zu den Platten den „Kombi-Mörtel“ als Systemprodukt an. Dieser ist sowohl zum Kleben und Armieren als auch als Oberputz verwendbar. Für glatte Innenwände gibt es als weitere Beschichtungsoption eine Silikat-Spachtelmasse, die Finish-Oberflächen bis zur Qualitätsstufe Q4 ermöglicht. Alle Komponenten des Systems sind laut Hersteller diffusionsoffen und emissionsarm.
Dieser Text ist eine Aktualisierung des ursprünglichen Beitrags „Was ist Blähglas und wofür wird es verwendet?“ von August 2016.