RM Rudolf Müller
Tiefgaragen-Klassiker: Mehrschichtplatten mit (violett eingefärbter) Holzwolle-Deckschicht. Foto: Knauf Insulation

Tiefgaragen-Klassiker: Mehrschichtplatten mit (violett eingefärbter) Holzwolle-Deckschicht. Foto: Knauf Insulation

Dämmstoffe
16. März 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Holzwolle-Platten: Eigenschaften und Anwendungen

Der Begriff Holzwolle-Platten sorgt mitunter für Verwirrung. „Sind das nicht diese Holzfaser-Dämmstoffe?“, fragen sich viele. Sie sind es nicht. Holzwolle ist ein eigenständiges Produkt mit anderen Anwendungsbereichen. Wegen der Optik des Materials spricht man umgangssprachlich auch von „Sauerkraut“-Platten. Man sieht sie häufig an der Decke von Tiefgaragen. Doch das Einsatzspektrum ist viel größer.

Die Platten bestehen aus langfaseriger Holzwolle, die durch mineralische Bindemittel wie Magnesit oder Zement zusammengehalten werden. Die sichtbaren Langfasern sorgen für die spezielle „Sauerkraut“-Optik. Wie Holzfaserdämmstoffe besteht auch Holzwolle aus natürlichem, zerkleinertem Holz. Nur dass die Fasern eben deutlich länger sind. Der getrocknete Rohstoff wird dafür in speziellen Maschinen langfaserig gehobelt. Nach Zugabe von Wasser und dem Bindemittel entstehen nach einer Trocknungsphase ziemlich feste, robuste Platten, die deutlich formstabiler als die üblichen Holzfaserdämmplatten sind. Der Holzanteil beträgt – je nach Produkt – zwischen 20 und 35 %.

Positives Brandverhalten

Dachgeschossausbau: Beplankung aus Holzwolle-Platten auf einer Zwischensparrendämmung. Foto: Knauf Insulation

Dachgeschossausbau: Beplankung aus Holzwolle-Platten auf einer Zwischensparrendämmung. Foto: Knauf Insulation

Reine Holzwolle-Platten sind der Baustoffklasse B1 zugeordnet, sie gelten also als schwer entflammbar. Das ist ein weiterer Unterschied zu Holzfaserplatten, die „normal entflammbar“ sind (Baustoffklasse B2). Hersteller wie Knauf Insulation – zu dem seit 2006 die Holzwolle-Traditionsmarke Heraklith gehört – bieten neben reinen Holzwolle-Produkten auch mehrschichtige Verbundplatten an, bei denen Holzwolle zum Beispiel mit nicht brennbarer und extrem hitzebeständiger Steinwolle kombiniert wird. Solche Produkte sind in Sachen Brandschutz natürlich noch wesentlich leistungsfähiger.

„Tektalan“-Mehrschichtplatten mit Steinwolle-Kern von Knauf Insulation werden zum Beispiel häufig zur Verkleidung von Decken und Wänden in Tiefgaragen verwendet. Der Grund: Sie sind nicht brennbar (Baustoffklasse A2) und verhindern die Brandweiterleitung selbst bei Autobränden mit sehr hoher Hitzeentwicklung für mindestens 180 Minuten. Werden die Platten an Decke oder Wand anbetoniert, halten sie den Flammen nach Herstellerangaben sogar mehr als vier Stunden Stand. Die Platten schmelzen nicht, tropfen nicht brennend ab und lassen nur eine geringe Rauchentwicklung zu.

Wärmeschutz nur mittelmäßig

Ziemlich mittelmäßig sind die Wärmeschutzeigenschaften von Holzwolle. Die marktüblichen Platten haben Wärmeleitfähigkeiten zwischen 0,08 und 0,11 W/mK. Selbst Holzfaserplatten – ebenfalls beileibe keine Dämmwunder – schneiden diesbezüglich mit Werten um 0,04 W/mK deutlich besser ab. Natürlich verbessern auch Holzwolle-Platten den Wärmeschutz von Gebäudewänden und -decken. Besser als nackter Beton oder einfaches Mauerwerk dämmen sie allemal. Aber eins ist klar: Wegen der Wärmedämmung allein greift niemand zu Holzwolle. Da gibt es bessere Produkte.

Aber dafür hat das Material andere Stärken. Neben dem Brandschutz wäre da zum Beispiel die relativ hohe Wärmespeicherfähigkeit. Außerdem sind die Platten hervorragende „Schallschlucker“. Deshalb werden sie häufig für Akustikdecken verwendet. Dass Holzwolle-Platten nicht primär Wärmeschutzprodukte sind, erkennt man schon daran, dass sie bei vielen Maßnahmen zur energetische Sanierung (Zwischensparren- und Aufsparrendämmung, WDVS, VHF) kaum eine Rolle spielen. Bei solchen Maßnahmen verschwindet die Dämmung unsichtbar hinter Bauteilen und Verkleidungen. Ganz anders verhält es sich mit Holzwolle-Platten: Die werden häufig sichtbar an Decken und Wänden montiert und fungieren dann als Teil des Raumdesigns.

Hohe Widerstandsfähigkeit

Aufgrund ihrer robusten Oberfläche bieten Holzwolle-Platten einen hohen mechanischen Schutz gegen äußere Beschädigungen – ganz ohne zusätzliche Beschichtung. Das mineralisch gebundene Material ist zudem schimmelresistent. Da die Platten häufig die sichtbare Bauteiloberfläche bilden, werden sie in vielfältigen Optiken angeboten. Variationen ergeben sich durch unterschiedlich feine beziehungsweise grobe Fasern und durch den Einsatz von Farben. Holzwolle lässt sich im Prinzip beliebig einfärben. Angeboten werden auch Platten mit speziellen Beschichtungen, die ein Abwaschen mit Hochdruckreinigern erlauben.

Mehrschichtplatten

Steinwolle-Mehrschichtplatte: Die Holzwolle-Deckschicht ist nur wenige Millimeter stark. Foto: Knauf Insulation

Steinwolle-Mehrschichtplatte: Die Holzwolle-Deckschicht ist nur wenige Millimeter stark. Foto: Knauf Insulation

Neben reinen Holzwolle-Platten gibt es – wie oben bereits erwähnt – mehrschichtige Verbundplatten, die in der Regel über 5 bis 15 mm dicke Deckschichten aus Holzwolle verfügen. Diese Deckschichten schützen das Kernmaterial, das meist aus Steinwolle oder EPS besteht – also aus Werkstoffen mit besserer Wärmedämmung, aber geringerer Robustheit. Grundsätzlich unterscheidet man dreischichtige Produkte, bestehend aus zwei Deckschichten Holzwolle und Dämmkern, sowie zweischichtige Platten, die nur auf einer Seite mit Holzwolle beschichtet sind.

Typische Einsatzbereiche

Am häufigsten werden Holzwolle-Platten – neben dem Einsatz als Akustikplatten – wohl für die Deckenverkleidung in Tiefgaragen oder auf Parkdecks verwendet. Hier punktet das Material außer mit seinen Schallschluckeigenschaften (Lärmschutz) mit seiner Robustheit und dem guten Brandschutz (insbesondere in Verbindung mit Steinwolle-Kern). Auch für Dämmung von Kellerdecken oder Kellerwände – innenseitig und meist mit EPS-Kern – verwendet man häufig Holzwolle beziehungsweise Holzwolle-Mehrschichtprodukte. Die Platten lassen sich einfach an die Rohdecke (und an Wände) anbetonieren oder werden mit Spezialdübeln befestigt.

Viele Bauherren schätzen die spezielle Holzwolle-Optik und verwenden die Platten ohne weitere Beschichtungen, allenfalls eingefärbt. Grundsätzlich lassen sie sich aber auch verputzen. Als Putzträger kommen sie zum Beispiel im Holzrahmenbau zum Einsatz. Zu dieser Bauweise passen sie nicht nur wegen ihrer Zusammensetzung, sondern auch wegen der Brandschutzeigenschaften. Reine Holzwolle-Platten werden – verputzt oder unverputzt – mitunter auch zur raumseitigen Verkleidung von Dachschrägen verwendet. Hier kommen sie in der Regel zusätzlich zu einer vorhandenen Zwischensparrendämmung zum Einsatz und sollen vor allem den sommerlichen Wärmeschutz verbessern.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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