RM Rudolf Müller
Verlegung im Splittbett: Man legt die Keramikfliesen nur lose auf das Schüttungsmaterial. Foto: Agrob Buchtal GmbH

Verlegung im Splittbett: Man legt die Keramikfliesen nur lose auf das Schüttungsmaterial. Foto: Agrob Buchtal GmbH

GaLabau und Tiefbau
26. März 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Lose Verlegung von Outdoor-Keramik

Keramische Fliesen kennt man aus Bad und Küche. Sie werden aber auch außerhalb des Hauses immer beliebter: auf Terrassen, Dachterrassen oder Balkonen. Während es in Innenräumen Standard ist, Fliesen fest im Mörtelbett zu verkleben, werden sie im Outdoor-Bereich auch häufig lose verlegt. Dabei unterscheidet man die Verlegung im Splittbett von der Verlegung auf Stelzlagern.

Grobkeramische Beläge wie Spalt- und Cottoplatten oder Klinkerpflaster sind im Outdoor-Bereich nichts Neues. Doch heute bieten die Hersteller auch feinkeramische Fliesen für Terrassen und Balkone. Diese Materialien kannte man bisher nur aus Bad und Küche. Dabei haben sie auch im Freien viele Vorteile. Keramikfliesen mit eingebrannter Glasur lassen sich zum Beispiel einfach reinigen. Und weder Fettspritzer oder die Glut vom Grillen noch Rotweinspritzer können ihnen etwas anhaben.

Natürlich erfordert die Außenverlegung frostbeständige Keramik, also wasserundurchlässige Steinzeug- oder Feinsteinzeug-Fliesen. Entsprechende Sortimente liefert die Industrie mittlerweile nicht nur in traditionellen Fliesendesigns, sondern etwa auch in Holz-, Beton- oder Naturstein-Optiken. Das im Außenbereich bisher eher ungewohnte, feinkeramische Material wird also mit traditionellen Optiken kombiniert.

Verklebt oder lose?

Natürlich kann man keramische Fliesen auch im Außenbereich im festen Verbund mit dem Untergrund verkleben. Was dabei zu beachten ist und welche Mörtelprodukte sich gut eignen, erklärt unser Fachbeitrag „Sichere Verlegung von Keramikfliesen im Außenbereich“. Die Verlegung im Verbund ist besonders sicher und schützt optimal vor späteren Belagsschäden. Allerdings ist sie auch vergleichsweise aufwändig und teuer.

Eine lose Verlegung lässt sich dagegen schneller und günstiger realisieren. Man benötigt dafür weder Fliesenkleber und Fugenmörtel noch eine Betonplatte unter den Fliesen. Ein Vorteil ist zudem die größere Flexibilität. Da sie nicht fest verklebt werden, lassen sich Terrassen- oder Balkonplatten jederzeit hochheben und nach Belieben austauschen. Eine fachmännische Vorbereitung des Untergrunds ist allerdings auch bei den losen Verlegearten unverzichtbar. Bei der Verlegung im Splittbett muss man Erdreich abtragen und durch eine funktionsfähige Frostschutz-Tragschicht aus Kies und Schotter ersetzen.

Natürlich erreichen lose verlegte Beläge niemals die Stabilität von Fliesen im Mörtelbett mit Betonuntergrund. Diese sind oft sogar mit dem Pkw befahrbar. Lose verlegte Outdoor-Keramik eignet sich dagegen nur für leichtere Beanspruchungen im Privatbereich. Die Verklebung erhöht natürlich auch die Bruchsicherheit keramischer Bodenfliesen. Bei der losen Verlegung wird die Bruchgefahr verringert, indem man einfach dickere Beläge verwendet. Die Standardstärke für Keramikfliesen im Außenbereich beträgt 2 cm. Es gibt mittlerweile aber auch 3 cm oder sogar 4 cm dicke Platten.

Verlegung im Splittbett

Bei der losen Keramikverlegung unterscheidet man zwei Arten: die Verlegung im Splittbett und die Verlegung auf Stelzlagern. Die Verlegung direkt auf einer Bettungsschicht aus Gesteinskörnungen ist einfach und günstig zu realisieren. Man legt die Platten einfach nur lose auf das Schüttungsmaterial, das neben Splitt meist auch aus Kies besteht. Auch die Fugen zwischen den Platten füllt man nur mit losem Sand.

Doch auch beim Splittbett ist eine fachmännische Ausführung wichtig. Die obere Bettungsschicht, ebenso wie darunterliegende, grobkörnigere Tragschichten und das Erdplanum als Untergrund, müssen jeweils ein etwa zweiprozentiges Gefälle aufweisen, damit versickerndes Wasser sicher abgeleitet werden kann. Die Oberfläche muss ausreichend verdichtet und eben, zugleich aber nach wie vor drainagefähig sein. Das gesamte Gesteinsbett muss so tief sein, dass ein ausreichender Frostschutz gewährleistet ist.

Auch wenn die dicken keramischen Platten für den Außenbereich durch ihr vergleichsweise hohes Gewicht eine gewisse Stabilität sichern, ist bei der losen Verlegung auf Splittbett nicht mit Sicherheit zu verhindern, dass sich die Platten durch äußere Belastungen verschieben oder dass sie zu „kippeln“ beginnen. Die Problematik „wandernder“ Fliesen kann man immerhin begrenzen, indem man den Belag mit einer festen Randeinfassung einrahmt – zum Beispiel durch Randsteine oder (bei Dachterrassen) durch eine Attika.

Auch die Fugen müssen normalerweise in regelmäßigen Abständen neu mit Sand gefüllt werden, da das lose Material leicht auswaschen kann. Gerät der Fugensand durch Niederschläge in den Plattenunterbau drohen weitere Folgeschäden: Die Sandkörner verstopfen allmählich das Splittbett und beeinträchtigen somit dessen Drainagefähigkeit.

Verlegung auf Stelzlagern

Verlegung auf Stelzlager: Diese Variante eignet sich gut für Balkone und Dachterrassen. Foto: Proline

Verlegung auf Stelzlager: Diese Variante eignet sich gut für Balkone und Dachterrassen. Foto: Proline

Vor allem auf Balkonen und Dachterrassen verlegt man feinkeramische Platten meist auf Stelzlagern. Die Variante mit Splittbett ist für diesen Anwendungsbereich in vielen Fällen nicht geeignet, da sie hohe statische Belastungen für Dach beziehungsweise Balkon mit sich bringt und eine relativ große Aufbauhöhe erfordert. Natürlich ist ein Belag aus Platten auf punktuellen Stelzlagern nicht so belastbar wie die Variante mit einem vollflächigen Unterbau aus Splitt und Kies. Aber für normale Belastungen im Privatbereich ist die Verlegeart stabil genug.

Keramikfliesen auf Stelzlager sind ebenfalls schnell verlegt und lassen sich jederzeit ganz einfach wieder entfernen. Gegenüber der Verlegung im Splittbett kommt als weiterer Vorteil hinzu, dass man die gewünschte Höhe des Belags millimetergenau einstellen kann. Im Hohlraum unter den Fliesen lassen sich zudem häusliche Versorgungsleitungen unsichtbar verlegen. Da man die einzelnen Platten jederzeit anheben kann, ist der Hohlraum stets zugänglich. Defekte Platten können unkompliziert ausgetauscht werden.

Die Aufständerung der Fliesen hat allerdings den Nachteil, dass der Belag bei Begehen einen gewissen Hohlklang erzeugt. Außerdem werden beim Stelzlager-System die Fugen zwischen den Platten nicht verschlossen, sodass Wasser und Verschmutzungen ungehindert in den Hohlraum eindringen können. Es muss also sichergestellt sein, dass die Niederschläge effektiv in Entwässerungssysteme abfließen.

Die Stelzlager selbst stehen bei Dachterrassen oder Balkonen in der Regel auf einer Betonplatte oder einem ähnlich stabilen Fundament. Ein ebenerdiges Terrassen-Stelzlager lässt sich aber auch auf einem ausreichend verdichteten Kies-Schotter-Bett aufbauen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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