RM Rudolf Müller
Mineralwolle-Flocken: Bei der Dachbodendämmung wird das lose Material oft gar nicht eingeblasen, sondern einfach nur geschüttet. Foto: Isover

Mineralwolle-Flocken: Bei der Dachbodendämmung wird das lose Material oft gar nicht eingeblasen, sondern einfach nur geschüttet. Foto: Isover

Dämmstoffe

Was sind Einblasdämmungen?

Die energetische Sanierung im Bestand wird oft als teuer und aufwändig kritisiert. Dämmstoffplatten benötigen zudem Platz und verringern so die nutzbaren Wohn- und Grundstücksflächen. Und sie verändern die Optik von Gebäuden – zumindest an der Fassade. Für Einblasdämmstoffe gilt all das nicht. Als Hohlraumdämmung bleiben sie unsichtbar und passen sich den gegebenen baulichen Voraussetzungen an. Sie sind zudem vergleichsweise preiswert und mit relativ wenig Aufwand realisierbar.

Einblasdämmungen waren auf BaustoffWissen bisher eher ein Randthema. Sie fanden Erwähnung im Rahmen der allgemeinen Vorstellung von Materialien wie Perlit und Vermiculit, die einerseits als lose Dämmstoffe, andererseits aber auch als Plattenwerkstoffe erhältlich sind. Außerdem gibt es auf dieser Website bereits einen Beitrag über das Material Zellulose, das vor allem aus Altpapier gewonnen wird. Zellulose wird tatsächlich vor allem für Einblasdämmungen genutzt und gilt als Markführer in diesem Dämmsegment. Der kostengünstige Recycling-Dämmstoff wird in Form loser Flocken als Sackware vertrieben.

Die Materialvielfalt bei Einblasdämmungen ist aber noch viel größer. Auch viele Hersteller konventioneller Dämmstoffe bieten Lösungen in diesem Bereich an. So gibt es auch Dämmflocken oder Dämmgranulate aus Glas- oder Steinwolle und EPS sowie aus Holzfaser und anderen pflanzlichen Faserstoffen. Auch klassische Leichtzuschläge wie Blähglas oder Naturbims kommen als Einblasmaterialien zum Einsatz.

Typische Einsatzbereiche

Zweischaliges Mauerwerk: Einblasdämmungen gelangen per Druckluft auch in schwer zugängliche Hohlräume. Foto: Deutsche Rockwool

Zweischaliges Mauerwerk: Einblasdämmungen gelangen per Druckluft auch in schwer zugängliche Hohlräume. Foto: Deutsche Rockwool

Einblasdämmungen sind meist nachträgliche Hohlraumdämmungen. Mit den losen Materialien füllt man vorhandene Hohlräume in Bestandsbauteilen, um deren Wärme- und Schalldämmung zu verbessern. Häufigste Einsatzbereiche sind Hohlräume von Steildächern, Decken (oberste Geschossdecken, Holzbalkendecken) sowie die Kerndämmung bei zweischaligen Außenwänden. Mit nicht brennbaren Dämmstoffen wie Glas- oder Steinwolle lässt sich zusätzlich auch der Brandschutz optimieren.

Bauherren entscheiden sich meist für eine Einblasdämmung, wenn sie ein vorhandenes Bauteil mit Hohlraum nicht von außen dämmen wollen – sei es nun aus optischen Gründen oder um Raumverluste zu vermeiden. Stattdessen präferieren sie dann die unsichtbare Dämmung im Bauteilinneren. Manche Bauteile lassen sich nachträglich auch gar nicht anders dämmen, weil ihre Hohlräume praktisch nicht zugänglich sind, ohne dass man die vorhandene Bausubstanz im großen Stil aufreißt. Das gilt insbesondere für zweischaliges Mauerwerk.

Bei anderen Bauteilen besteht natürlich auch die Alternative einer nachträglichen Dämmung mit klassischen Plattenwerkstoffen. Der Sparrenzwischenraum bei einem Steildach ist zum Beispiel vergleichsweise leicht erreichbar, man muss nur die Innenraumverkleidung vorübergehend entfernen. Aber auch hier ist eine Einblasdämmung unter Umständen preiswerter und schneller zu realisieren. Sie erfordert nur ein paar Bohrlöcher in der Verkleidung, durch die das lose Dämmmaterial dann mithilfe von Druckluft eingeblasen wird. Die Einblasöffnungen lassen sich anschließend leicht wieder verschließen.

Vorteile

Einige Vorteile der Einblasdämmung haben wir oben schon erwähnt: Sie ermöglicht eine nachträgliche energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle oder von Innenbauteilen wie Fußböden/Decken ohne größeren Aufwand und ohne Rückbau oder Zerstörung vorhandener Bausubstanz. Sie ist bei vergleichsweise geringen Materialkosten schnell zu realisieren, schont die Bewohner von Bestandsgebäuden, da kaum Staub oder längerer Baulärm anfallen, und sie erfordert in der Regel nicht einmal ein Baugerüst. Anders als bei Plattendämmstoffen fällt auch kein Verschnitt an. Hinzu kommt, dass man mit Einblasmaterialien selbst engste Hohlräume verfüllen kann, die für die Verlegung von Dämmplatten unerreichbar wären.

Bei Außenwänden hat die Einblasvariante zudem den großen Vorteil, dass eine wirkungsvolle Dämmung möglich ist, ohne dass sich das Erscheinungsbild der Fassade verändert. Das ist insbesondere bei historischen und denkmalgeschützten Häusern wichtig, wo sich der Einsatz eines von außen aufgebrachten Wärmedämmverbundsystems (WDVS) von vorneherein verbietet. Hier ist die Einblasdämmung eine Alternative zur sonst notwendigen Innendämmung der Außenwand. Voraussetzung ist aber stets das Vorhandensein eines Hohlraums. Im Wandbereich ist die Einblasdämmung also nur eine Option bei zweischaligem Mauerwerk beziehungsweise bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF).

Nachteile

Nichtbrennbar: Steinwolle-Granulat ist als Sackware erhältlich. Foto: Deutsche Rockwool

Nichtbrennbar: Steinwolle-Granulat ist als Sackware erhältlich. Foto: Deutsche Rockwool

Der Vorteil, dass Einblasdämmungen per Druckluft in schwer zugängliche Gebäudeteile vordringen, birgt auch eine potenzielle Gefahr. Wird die Dämmung nicht fachgerecht ausgeführt und zum Beispiel vor Feuchtigkeit geschützt, kann es zu schwerwiegenden Schäden kommen, wie etwa Schimmelbildung. Aufgrund der schlechten Zugänglichkeit sind solche Schäden dann nur schwer zu beheben oder fallen lange Zeit gar nicht auf.

Für die Kerndämmung einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade sind daher Zellulose-Flocken nicht zugelassen, denn sie dürfen auf keinen Fall richtig nass werden. Ein bisschen Feuchtigkeit schadet ihnen dagegen in der Regel nicht, da diese sich großräumig auf die Flockenmasse verteilt, sodass nirgendwo eine gefährlich hohe Konzentration entsteht.

Der Gefahr von Feuchtigkeitsschäden kann man vorbeugen, indem die Einblasdämmung nach dem so genannten Dämmsack-System eingebaut wird. Dabei wird der Hohlraum zunächst mit einem Plastiksack ausgekleidet, in den man dann die lose Dämmung einbläst. Der Kunststoff schützt die Flocken dauerhaft vor äußerer Feuchtigkeit. Diese Methode setzt allerdings voraus, dass der Hohlraum zugänglich ist. Alternativ kann man natürlich auch wasserabweisende, diffusionsoffene und schimmelresistente Einblasdämmungen verwenden – zum Beispiel solche aus Stein- oder Glaswolle.

Das Material für Einblasdämmungen ist zwar meist preisgünstiger als entsprechende Plattenwerkstoffe, doch die Verarbeitung erfordert in der Regel einen Fachbetrieb. Während geschickte Heimwerker Dämmplatten oft eigenhändig verlegen, benötigt man für eine Einblasdämmung eine professionelle Druckluft-Einblasmaschine, deren fachgerechte Bedienung gelernt sein will. In der Regel kommen also Heimwerker nicht um die Beschäftigung einer spezialisierten Handwerksfirma herum.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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