Lehmfarbe wird als wohngesunder Wandanstrich geschätzt, da Lehm sehr viel Wasserdampf aufnehmen kann und somit zu einer natürlichen Regulation der Raumluftfeuchtigkeit beiträgt. Als positiver Nebeneffekt können Luftschadstoffe und Gerüche gebunden werden. Allerdings ist Lehm wenig strapazierfähig und wird bei Kontakt mit flüssigem Wasser weich. Hier können Kalkzusätze helfen. Sie machen die Farbe (wasser-)fester. Kalk wirkt zudem konservierend und schimmelhemmend.
Deshalb bieten einige Hersteller kombinierte Lehm-Kalkfarben an. Die Idee dahinter ist, die jeweils spezifischen Vorteile der Rohstoffe Lehm und Kalk in einem Produkt zu kombinieren. Einerseits die sehr gute feuchtigkeitsregulierende und luftreinigende Wirkung von Lehm, andererseits die mechanische Belastbarkeit, Festigkeit und Alkalität des Kalkes.
Die hohe Alkalität, also der hohe pH-Wert von Kalk verleiht diesem eine konservierende Wirkung. Lehmfarben enthalten dagegen oft synthetische Konservierungsstoffe, die sie haltbarer machen. Es gibt aber auch reine Lehmfarben ganz ohne Konservierungsstoffe. Weitere Infos dazu bietet der BaustoffWissen-Beitrag „ Was ist Lehmfarbe? “.
Das Beste aus zwei Welten

Auch der Schweizer Naturbaustoff-Hersteller Haga versucht mit seiner kombinierten Lehm-Kalkfarbe das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Der matt schimmernde Anstrich für Innenräume enthält neben Lehmpulver und Wasser auch Sumpfkalk sowie Kalkstein- und Marmormehl. Weitere Zusatzstoffe sind Tonerde-Mehl und Zellulose .
Die in Eimern à 5 kg oder 10 kg sowie in Dosen à 1 kg erhältliche Farbe ist weiß. Durch Zugabe natürlicher Pigmente oder mineralischer Vollton- und Abtönfarben lassen sich aber auch viele andere Farbtöne erzielen. Der Auftrag an die Wand erfolgt in mindestens zwei Schichten. Bei ungenügender Abdeckung kann sogar ein dritter Anstrich notwendig sein. Die Trocknungszeit zwischen den Anstrichen beträgt mindestens 24 Stunden.
Der Kalk macht die Farbe nicht nur haltbarer, sondern auch strapazierfähiger und wasserfester. Sie wird bei direktem Kontakt mit Wasser nicht so schnell weich. Für den Spritzwasserbereich in Nassräumen ist die Lehm-Kalkfarbe von Haga gleichwohl nicht geeignet. Der Lehm im Produkt kann zwar relativ viel Wasserdampf aufnehmen, bei Kontakt mit flüssigem Wasser zeigt er aber schnell „Auflösungserscheinungen“. Im Außenbereich setzt man Lehm daher in der Regel nicht ein.
Auch Kalkfarben und -putze können schon relativ viel Wasserdampf zwischenspeichern und zeitversetzt wieder an die Raumluft abgeben. Die Speicherfähigkeit von Lehm ist allerdings noch deutlich höher. Auf diese Weise sorgt Lehm für ein besonders angenehmes Raumklima. Zumal er auch Luftschadstoffe und Gerüche aufnehmen kann. Kalk macht einen solchen Anstrich fester und widerstandsfähiger. Der Zusatz trägt dazu bei, dass sich an der Farboberfläche kein Kondensat bildet. So reduziert sich das Schimmelrisiko.
Optimal mit Putzuntergrund

Auch wenn Lehm tatsächlich viel Wasserdampf speichern kann, ist die Botschaft von der feuchtigkeitsregulierenden Farbe mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Ein dünner Farbanstrich allein macht sicher noch keine effektiv wirksame Speichermasse. Haga empfiehlt für seine Lehm-Kalkfarbe folgerichtig mineralische Untergründe wie Lehmputz , Kalkputz oder auch Kalkzement.
Indirekt warnt der Hersteller auch davor, die Farbe unmittelbar auf Raufasertapete zu verwenden. Lehm-Kalkfarbe sei hoch kapillar, heißt es im Technischen Datenblatt zum Produkt, durchschlagende Inhaltsstoffe wie Holzgerbstoffe, Nikotin, Wasserflecken oder auch alte Leim-Rückstände von Tapeten würden daher zu Fleckenbildung führen. Zum Verständnis: Raufaser besteht aus Papier und Holzfasern.
Auch auf Kunststoff sowie auf unterschiedlich saugenden Untergründen soll die Lehm-Kalkfarbe nicht direkt zur Anwendung kommen. Bei all diesen Untergründen ebenso wie bei Gipskartonplatten und Gipsfaserplatten ist nach Angaben von Haga stattdessen „vorgängig eine vollflächige Grundbeschichtung von mindestens 3 mm Schichtdicke“ aufzutragen.
Der Hersteller empfiehlt in diesem Zusammenhang seine „Bio-Kalkputzglätte“ und den Kalk-Universalspachtel. Letztlich sind das putzartige Beschichtungen, die erheblich zur Wasserdampf-Aufnahmefähigkeit der Wand beitragen dürften – vermutlich mehr als der finale Farbanstrich.