RM Rudolf Müller
Extrem porös: Der schaumartige Leichtputz „Tri-O-Therm M“ hat ein Luftporenvolumen von über 75 %. Foto: Schwenk Putztechnik

Extrem porös: Der schaumartige Leichtputz „Tri-O-Therm M“ hat ein Luftporenvolumen von über 75 %. Foto: Schwenk Putztechnik

Bauchemie
11. Juli 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Was versteht man unter Leichtputz?

Aufgrund seiner geringen Rohdichte bietet Leichtputz mehr Wärmedämmung als herkömmliche Normalputze. Die Produkte haben sich deshalb vor allem als Lösung zum Verputzen von hochwärmedämmendem Mauerwerk etabliert.

Als Leichtputz bezeichnet man Mörtel mit mineralischen Bindemitteln (meist Zement und/oder Kalk), der besonders leichte mineralische Gesteinskörnungen wie Bims, Blähglas und Blähton oder zum Beispiel EPS als organischen Leichtzuschlagstoff enthält. Durch die porigen Inhaltstoffe bieten solche Putzprodukte mehr Wärmedämmung als die schwereren Normalmörtel. Eingesetzt wird Leichtputz vor allem zum Verputzen von hochwärmedämmendem Mauerwerk aus porosierten Ziegeln, Leichtbeton oder Porenbeton.

Von Leichtputz spricht man, wenn die Trockenrohdichte des Mörtels weniger als 1.300 kg/m3 beträgt. Die DIN EN 998-1 unterscheidet weiterhin zwei Typen. Leichtputze vom Typ I haben eine Trockenrohdichte zwischen 1.000 und 1.300 kg/m3. Produkte mit einer Trockenrohdichte von weniger als 1.000 kg/m3 tragen dagegen die Bezeichnung Typ II. Sie werden im Handel unter Namen wie „Superleichtputz“, „Ultraleichtputz“ oder „Faserleichtputz“ vertrieben. Leichtputz vom Typ II enthält oft Faserzusätze, die den Mörtel nicht nur leichter, sondern auch elastischer und weniger schwindungsanfällig machen.

Was ist Wärmedämmputz?

Manche Leichtputze bezeichnet man auch als Wärmedämmputze. Zu den Eigenschaften dieser Variante gehört unter anderem, dass die Trockenrohdichte der Mörtel unterhalb von 600 kg/m3 liegt. Umgangssprachlich ist für Wärmedämmputze zudem der Begriff Styropor-Leichtputz geläufig. Warum? Weil diese Putze in den meisten Fällen EPS-Kügelchen (Styropor) als Leichtzuschlag enthalten. Wärmedämmputz ist also Leichtputz mit besonders geringer Rohdichte. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt per Definition unterhalb von 0,2 W/mK. Zum Vergleich: Porenbeton-Mauerwerk bietet eine ähnliche Wärmedämmleistung.

Typische Einsatzbereiche

Im Außenbereich – zum Beispiel bei WDVS-Fassaden – wird Leichtputz als Unterputz von mindestens 1,5 cm Schichtdicke unterhalb eines witterungsfesten Oberputzes aufgetragen. Das ist notwendig, denn die Mörtel sind aufgrund ihrer porigen Bestandteile weniger fest und empfindlicher als Normalputze.

Im Innenbereich kommen Leichtputze auch im Rahmen von Sanierputzsystemen zur Behandlung feuchter Wände zum Einsatz. Aufgrund ihrer schallabsorbierenden Porenstruktur werden die Mörtel zudem auch als Akustikputze an Innenwänden verarbeitet. Außerdem tragen sie aufgrund ihrer Diffusionsoffenheit zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit in Räumen bei. Für den Innenbereich gibt es übrigens auch Leichtputze mit dem Bindemittel Gips.

Innovation zur BAU 2017

Leichtputz auf Ziegelwand: Der Mörtel wird als Unterputz direkt auf dem Mauerwerk verarbeitet. Foto: Schwenk Putztechnik

Leichtputz auf Ziegelwand: Der Mörtel wird als Unterputz direkt auf dem Mauerwerk verarbeitet. Foto: Schwenk Putztechnik

Eine echte Leichtputz-Innovation hat die zur Quick-Mix-Gruppe gehörende Marke Schwenk Putztechnik auf der Messe BAU 2017 in München präsentiert. Das Produkt „Tri-O-Therm M“ ist nach Angaben des Herstellers der erste rein mineralische, also EPS-freie Leichtputz mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,055 W/mK. Die Trockenrohdichte des neuen Putzes liegt bei etwa 270 kg/m3. Nach Angaben von Quick-Mix zählt das neue Produkt übrigens trotz der sehr niedrigen Wärmeleitfähigkeit nicht zu den Wärmedämmputzen. Aufgrund der Summe der Eigenschaften handele es sich bei Tri-O-Therm M stattdessen um einen Leichtputz nach DIN EN 998-1, teilt der Hersteller auf Anfrage mit.

Der Putz ist nicht brennbar (Baustoffklasse A1), rissunempfindlich und überzeugt darüber hinaus durch bisher unerreicht kurze Standzeiten. Bereits etwa drei Stunden nach Verarbeitung der ersten Putzschicht lässt sich die nächste Schicht in einer Stärke bis zu 4 cm auftragen. „Erstmals überhaupt kann damit die Gesamtschichtdicke von bis zu 12 cm an einem Tag appliziert werden – das gab es noch nie“, erklärt Frank Frössel, Marketing-Leiter der Quick-Mix-Gruppe. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Leichtputzen sind Standzeiten von mehreren Tagen pro Schichtauftrag normal.

„Mit unserer Produktinnovation definieren wir die Wärmedämmung neu“, sagt Martin Sassning, Leiter Produktmanagement bei Quick-Mix. „Wir schließen die Lücke zwischen den Wärmedämm-Verbundsystemen und den klassischen Wärmedämmputzen. Egal, ob als Ergänzung für hoch wärmedämmendes Mauerwerk, als Entkopplungsschicht oder auch Innendämmung im Altbau sowie als mineralische Dämmalternative im Holzbau: Tri-O-Therm M trägt in allen Bereichen zur energetischen Optimierung bei.“

Seine niedrige Wärmeleitfähigkeit erreicht das Produkt durch die Kombination zweier besonderer Zutaten: Hochfestes Perlit und einen speziell für diesen Mörtel entwickelten Luftporenbildner. Dadurch erreicht der Putz ein Luftporenvolumen von über 75 %. Die dritte Komponente ist ein hybrides Bindemittel, das die Härtung des schaumartigen Mörtels im Vergleich zu klassischen Leichtputzen deutlich beschleunigt.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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