RM Rudolf Müller
Die dünnen Riemchen kann man auch auf die Dämmstoffschicht eines WDVS kleben.  Foto: Röben Tonbaustoffe

Die dünnen Riemchen kann man auch auf die Dämmstoffschicht eines WDVS kleben.  Foto: Röben Tonbaustoffe

Fassade und Massivbau
19. September 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Riemchen?

Bei unverputzten Hausfassaden mit Sichtmauerwerk blickt man meist auf Klinker beziehungsweise frostbeständige Ziegelsteine. Was man nicht sieht: Die äußere Schicht solcher Fassaden besteht in vielen Fällen gar nicht aus „richtigen“ gemauerten Steinen, sondern oft auch nur aus dünnen Platten – so genannten Riemchen. Dieses „Fake“-Mauerwerk verwendet man heutzutage nicht nur an Fassaden, sondern immer häufiger auch zur Beschichtung von Innenwänden.

Bei Riemchen handelt es sich um dünne, länglich-rechteckige Platten, die in der Regel nur zwischen 0,5 und 2,5 cm dick sind. Sie werden nicht vermauert, sondern mit Mörtel auf das Hintermauerwerk geklebt. Zum Vergleich: „Normale“ Klinkersteine, wie sie oft für die Vormauer bei zweischaligem Mauerwerk verwendet werden, haben meist eine Stärke von 11,5 cm, die vorgeschriebene Mindestdicke beträgt hier 9 cm.

Auch Riemchen bestehen sehr häufig aus Klinkern oder sonstigem Tonmaterial. Die Hersteller bieten sie in zahlreichen unterschiedlichen Farbvarianten. Daneben werden Riemchen aber auch aus anderen Materialien gefertigt – zum Beispiel aus Kalksandstein, Betonwerkstein oder Naturstein (vor allem Schiefer).Viele Hersteller schneiden die Platten einfach aus den dickeren Vormauersteinen heraus, die sie ohnehin produzieren.

Typische Einsatzbereiche

Im Fassadenbereich kommen Riemchen als Verblender für einschalige Außenwände oder als spezielle Außenbekleidung einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) zum Einsatz. Für die Hausecken stehen spezielle Winkelriemchen zur Verfügung. Für zweischaliges Mauerwerk verwendet man dagegen normalerweise keine Riemchen, weil hier die Vormauer in der Regel bereits aus optisch ansprechendem Sichtmauerwerk gefertigt ist.

Die dünnen Riemchen sind relativ leicht – ähnlich wie Keramikfliesen – und lassen sich daher problemlos an eine Außenfassade aus verputzten Hintermauersteinen oder auch auf die Dämmstoffschicht eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) kleben. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt den dahinterliegenden Wandaufbau auch vor äußeren Witterungseinflüssen. Zudem entsteht eine sehr langlebige und pflegeleichte Fassadenoberfläche. Nicht zuletzt ist es natürlich auch kostengünstiger, eine Hintermauer mit Riemchen zu bekleben, anstatt eine echte Vormauer zu errichten.

Kleben und Verfugen

Riemchen-Klinker sind nur zwischen 0,5 und 2,5 cm dick. Foto: Röben Tonbaustoffe

Riemchen-Klinker sind nur zwischen 0,5 und 2,5 cm dick. Foto: Röben Tonbaustoffe

Vor dem Verkleben der Riemchen ist sicherzustellen, dass der Wanduntergrund fest, eben, sauber und trocken ist. Gegebenenfalls ist der Untergrund entsprechend vorzubereiten. Für die Verarbeitung der Platten bieten manche Hersteller speziellen Riemchen-Klebemörtel an, aber auch viele normale Fliesenkleber eignen sich für diese Aufgabe. Der Kleber wird vollflächig sowohl auf die Wand als auch auf die Rückseite der Riemchen aufgetragen (Buttering-Floating-Verfahren).

Sind die Riemchen an der Wand, heißt es erst einmal abwarten, bis der Kleber vollständig getrocknet ist. Dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers zu beachten. Nach DIN 18515-1 müssen Riemchen im Außenbereich 4 bis 6 mm breite Fugen zwischen den einzelnen Platten aufweisen. Diese sind nach Ablauf der Trocknungszeit in einem zweiten Schritt zu verfugen. Hierfür verwendet man einen frostbeständigen, elastischen Fugenmörtel. Auch hier gibt es wieder Spezialprodukte einzelner Hersteller, aber auch universelle Fugenmörtel, die sich auch für Riemchen eignen. In der Regel ist diese Information der Mörtelverpackung zu entnehmen.

Riemchen für Innenwände

Die rustikale Optik von Klinkerriemchen ist auch im Innenbereich beliebt. Foto: Ströher

Die rustikale Optik von Klinkerriemchen ist auch im Innenbereich beliebt. Foto: Ströher

Doch nicht nur für die Fassade, sondern auch als Wandverkleidung in Innenräumen lassen sich Riemchen verwenden. Vor allem die rustikal wirkenden Klinker- und Natursteinriemchen sind mittlerweile ein beliebtes Element moderner Innenarchitektur – besonders im Wohnzimmer, aber auch in Bad und Küche. Ihre echte Steinoptik strahlt eine natürliche Behaglichkeit aus.

Die Riemchen lassen sich – genauso wie die Platten an der Fassade – direkt auf dem Hintermauerwerk verkleben, nur eben von innen. Für Riemchen im Innenbereich fordert die DIN 18352 übrigens eine geringere Fugenbreite von nur 1 bis 3 mm.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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