Das neue Besucherzentrum wurde Ende 2022 in Legau eröffnet. (Quelle: Rapunzel Naturkost)

Objektberichte 2023-08-10T07:00:23Z Gesundes Umfeld für Bio-Lebensmittel

Fast 50 Jahre nach seiner Gründung hat der Bio-Lebensmittelhersteller Rapunzel an seinem Firmensitz in Legau (Unterallgäu) ein großes Besucherzentrum errichtet – und das konsequent nach ökologischen Kriterien. Die Vorgabe: Die verwendeten Materialien sollten nachhaltig sein, Anbieter und Handwerker möglichst aus der Region stammen. Im Innenbereich dominieren die Baustoffe Holz und Naturkalk.

Für den Bau seiner neuen „Rapunzel Welt“ hat der Hersteller eine Ökobilanz erstellt und Baustoffe ausgewählt, die möglichst wenig „ Graue Energie “ verursachen – also energiearm in Sachen Herstellung, Lagerung, Transport, Verarbeitung und spätere Entsorgung sind. Zudem hat die Rapunzel Naturkost GmbH darauf geachtet, dass die Materialien wenig Transport-Emissionen verursachen. Nachwachsenden oder wiederverwertbaren Baustoffen wurde, wann immer möglich, der Vorzug gegeben.

Holz und Naturkalk

Allein für die zentrale Wendeltreppe waren zwölf Tonnen Holz nötig. (Quelle: Rapunzel Naturkost / Haga)

Etwa zwei Drittel des Investitionsvolumens ging an regionale Lieferanten. Um die vier Geschosse des 7.560 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes mit einer zentralen Wendeltreppe zu verbinden, waren zwölf Tonnen Holz nötig. Der dabei anfallende Verschnitt wurde an Ort und Stelle wiederverwendet – in Form von Holzpflaster für den Bodenbelag.

Beim Innenausbau entschied sich Rapunzel für Naturkalk aus der nahe gelegenen Schweiz. In den Alpen bei Rupperswil lagern die Vorkommen infolge geologischer Besonderheiten relativ weit an der Oberfläche – und mit einem hohen Reinheitsgrad. „Wir stellen daraus Baukalk nach alter Handwerkstradition her“, erläutert Peter Röhrle, Fachberater Deutschland Süd beim Naturbaustoff-Hersteller Haga . „Dadurch kommen wir ohne synthetische Zusatzstoffe aus.“

1.700 Quadratmeter Wandfläche wurden in der neuen Rapunzel Welt mit Naturkalk verputzt und anschließend mit Kalkfarbe gestrichen. Dabei hat man Gipsfaserplatten zunächst mit einer 2 mm dicken Schicht Kalk-Universalspachtel verputzt und anschließend geschliffen.

Dann folgte eine Schicht „Mineralputzgrund Fein“, bevor die Wände abschließend zweimal mit naturweißer Kalkfarbe beziehungsweise in einigen Gebäudebereichen auch mit eingefärbter Kalkfarbe gestrichen wurden. Dieser Wandaufbau trägt zu einem wohngesunden Umfeld im Besucherzentrum bei. Der Materialbedarf: 4.000 kg Universalspachtel und 400 kg Farbe.

Regional verfügbare Baustoffe

Die Wandgestaltung erfolgte mit Naturkalk von hohem Reinheitsgrad aus der Schweiz. (Quelle: Rapunzel Naturkost / Haga)

Herzstück des neuen Besucherzentrums ist ein interaktives Museum, in dem es um Themen wie Bio-Anbau, fairen Handel, Lebensmittelproduktion und gesunde, klimafreundliche Ernährung geht. In der Kaffeerösterei können Besucher beobachten, wie Bohnen schonend geröstet werden, um dann im Restaurant den Kaffee oder Backwaren aus der eigenen Bio-Bäckerei zu probieren. Ein Bio-Markt sowie Veranstaltungsräume und ein Pop-Up-Store zum Anmieten runden das Konzept ab.

Bei dem Besucherzentrum auf Nachhaltigkeit und Regionalität zu setzen, hat sich für Rapunzel bereits bewährt: Denn kaum hatte man 2019 den Baubeginn eingeläutet, folgten die Corona-Jahre mit mehreren Lockdowns und langanhaltenden Lieferengpässen. Da der Hersteller bei den eingesetzten Baustoffen aber überwiegend auf regional verfügbare Materialien setzte, konnte die Rapunzel Welt gleichwohl bereits Ende Oktober 2022 eröffnet werden – nur drei Monate später als geplant.

Vom Naturkalk-Einsatz werde Rapunzel auch langfristig profitieren, ist sich Haga-Fachberater Röhrle sicher. Das Material trage dauerhaft dazu bei, die Luftfeuchtigkeit im Raum auszugleichen und auf einem konstant niedrigen Niveau zu halten. Das sind gute Voraussetzungen, um Lebensmittel hygienisch zu lagern und ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten. Auch Schimmel habe in den Wänden keine Chance, da Kalk über einen pH-Wert verfügt, der das Wachstum von Sporen unterbindet.

zuletzt editiert am 21. Mai 2024