RM Rudolf Müller
Beplankung einer mit Mineralwolle gefüllten Unterkonstruktion.   Foto: Knauf Gips KG

Beplankung einer mit Mineralwolle gefüllten Unterkonstruktion.   Foto: Knauf Gips KG

Trockenbau
07. Mai 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Vorsatzschalen im Trockenbau

Bei Vorsatzschalen in Trockenbauweise handelt es sich um Bauplatten mit Profilunterkonstruktion, die man vor einer tragenden Wand aufbaut. Grundsätzlich zu unterscheiden sind dabei direkt befestigte und freistehende Vorsatzschalen. Doch wofür braucht man so etwas? Verkleinern diese Konstruktionen nicht die nutzbare Raumfläche? Das stimmt. Deshalb kommen die Systeme auch nur dann zum Einsatz, wenn ihr Nutzen größer ist als der Nachteil des Raumverlustes.

Die Vorsatzschale ist eine spezielle Form der Wandbekleidung, die nicht direkt auf den Untergrund geklebt, geschraubt oder genagelt, sondern in einem gewissen Abstand vor dem tragenden Bauteil errichtet wird, sodass ein Hohlraum entsteht. Daher der Name Vorsatzschale.

Manchmal bezeichnet man auch die Vormauer beim zweischaligen Mauerwerk oder die äußere Bekleidung bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) als Vorsatzschalen. Doch derartige „Bekleidungen“ an der Gebäudefassade sind hier nicht das Thema. In diesem Beitrag geht es um Vorsatzschalen in Trockenbauweise, die bei tragenden Wänden als Innenbekleidung zum Einsatz kommen.

Warum Vorsatzschalen?

Ein häufiges Motiv für die Montage von Vorsatzschalen ist es, einen Altbau optisch aufzuwerten. Wenn die vorhandenen Wände starke Unebenheiten aufweisen, ist es unter Umständen sinnvoller, die alte Bausubstanz mit einer „frischen“ Vorsatzschale zu verblenden, anstatt die Oberflächen durch Spachtelarbeiten zu glätten. So erspart man sich und den Nachbarn das laute und schmutzige Abschlagen des alten Putzes und den mühseligen, mehrschichtigen Auftrag des neuen Putzes.

Soll die Wand durch eine Innendämmung auch wärmetechnisch aufgerüstet werden, kann man mit Vorsatzschalen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Nach außen bieten sie eine saubere Optik und nach innen verfügen sie zudem über einen Hohlraum, der sich mit Dämmstoffen füllen lässt – üblicherweise Mineralwolle. Das erhöht übrigens nicht nur die Wärmedämmung, sondern bewirkt auch einen verbesserten Schallschutz der Bestandswand. Natürlich lässt sich der Hohlraum auch anderweitig nutzen. Er kann zum Beispiel Kabel, Rohre oder Tragständer für Sanitärobjekte aufnehmen.

Beplankung mit Profil-Unterkonstruktion

Schalldämmung einer Wohnungstrennwand: Montage der Unterkonstruktion mit 50 mm Abstand zur Massivwand. Foto: Knauf Gips KG / Ducke

Schalldämmung einer Wohnungstrennwand: Montage der Unterkonstruktion mit 50 mm Abstand zur Massivwand. Foto: Knauf Gips KG / Ducke

Innenwand-Vorsatzschalen haben stets eine Unterkonstruktion aus Trockenbauprofilen, die man ein- oder auch mehrlagig mit Bauplatten beplankt. Marktführer sind hier Gipskartonplatten beziehungsweise Gipsfaserplatten. Es gibt aber auch Alternativen: zum Beispiel Span- und Faserplatten, Lehmbauplatten oder sogar Strohbauplatten.

Für die Unterkonstruktion eignen sich grundsätzlich auch Latten aus Holz, allerdings dominieren im heutigen Trockenbau eindeutig die Metallprofile. Bei den gängigen Gipsplatten-Systemen von Anbietern wie Knauf und Rigips sind sie jedenfalls Standard.

Wie weit die Beplankung von der tragenden Wand entfernt, wie tief also der Hohlraum ist, hängt von den Maßen der jeweiligen Profile ab sowie von der Frage, ob die Profil-Unterkonstruktion direkt an der Wand befestigt, oder in größerer Entfernung von ihr freistehend errichtet wird. Bei den handelsüblichen Metallprofilen unterscheidet man CW- und UW-Profile, wobei das W für Wand steht. UW-Profile kommen in der Regel als waagerechte Anschlussschienen an Boden oder Decke zum Einsatz und nehmen dort die Enden der senkrechten Profile auf. Bei diesen handelt es sich üblicherweise um CW-Profile.

Direkt befestigte Vorsatzschalen

Grundsätzlich unterscheidet man freistehende und direkt befestigte Vorsatzschalen. Letztere heißen nicht etwa so, weil die Platten direkt an der Wand befestigt würden. Dann wären es ja keine Vorsatzschalen. Der Name steht vielmehr dafür, dass die Unterkonstruktion direkt an der Wand befestigt ist. Das geschieht mit speziellen Befestigungsmitteln aus Stahl, die oft auch schallentkoppelt sind. Bei so genannten Direktschwingabhängern helfen zum Beispiel Dämpfungsgummis dabei, die Profile akustisch entkoppelt an der Wand zu befestigen.

Noch besser wird der Schallschutz natürlich mit einer zusätzlichen Hohlraumdämmung. Aber auch das Beplankungsmaterial spielt eine Rolle. Es gibt zum Beispiel spezielle Schallschutz-Gipsplatten mit erhöhtem Flächengewicht und biegeweichem Gipskern. Für mehr Schalldämmung sorgt ferner eine mehrlagige Beplankung der Profile. Dadurch wird die Vorsatzschale zudem stabiler und lässt sich beispielsweise ballwurfsicher realisieren.

Wird der Hohlraum gedämmt, so ist auch darauf zu achten, dass die Gesamtkonstruktion luftdicht ist. Das kann durch Verlegen einer Dampfbremsfolie geschehen oder alternativ durch das luftdichte Verspachteln der obersten Gipsplattenlage. Die Dampfbremsfolie verlegt man raumseitig auf der Dämmstoffebene, direkt unter der Beplankung. Das Verspachteln der Plattenfugen erfordert bei manchen Fugenfüller-Spachteln den zusätzlichen Einsatz von Fugendeckstreifen.

Freistehende Vorsatzschalen

Für die Montage eines freistehenden Vorsatzschalensystems kann es verschiedene Gründe geben. Vielleicht eignet sich die Bestandswand einfach nicht für die direkte Verschraubung der Unterkonstruktion. Oder es ist geplant, hinter der Vorsatzschale Versorgungsleitungen oder Tragständer für Sanitärobjekte zu „verstecken“, die zu groß für die Dimensionen herkömmlicher C-Profile wären. Freistehende Vorsatzschalen lassen sich dagegen beliebig weit vor der Grundwand platzieren. Der Platz hinter der Beplankung ist also beliebig erweiterbar – wenn auch zu dem Preis, dass die nutzbare Raumfläche immer kleiner wird.

Ein weiterer, vielleicht noch häufigerer Grund für freistehende Vorsatzschalen ist die damit mögliche Optimierung des Schallschutzes. Da bei dieser Konstruktionsweise Wand und Vorsatzschale überhaupt nicht miteinander in Verbindung stehen, erreicht man eine perfekte akustische Entkopplung. Außerdem lässt sich ein breiterer Hohlraum erzeugen, in den mehr Dämmstoff passt als bei der direkt befestigten Variante.

Mit freistehenden Vorsatzschalen lassen sich beispielsweise auch Wohnungstrennwände in Mietshäusern schalltechnisch erheblich aufwerten. In vielen Altbauten leben die Menschen Wand an Wand ohne jegliche Schalldämmung. Mit Vorsatzschalen lässt sich bei vergleichsweise geringen Kosten ein deutliches Plus an Privatsphäre erreichen, wenn auch unter Inkaufnahme von Wohnflächenverlusten. Optimieren lässt sich dieser Effekt durch eine mindestens zweilagige Beplankung mit harten Schallschutzplatten.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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