RM Rudolf Müller
Rollputz lässt sich einfach mit der Farbwalze auftragen.  Alle Fotos: Knauf

Rollputz lässt sich einfach mit der Farbwalze auftragen.  Alle Fotos: Knauf

Boden und Wand
27. Juli 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Rollputz?

Das Wichtigste steckt schon im Namen: Rollputz ist ein Dekorputz, der sich ganz einfach mit einer normalen Farbwalze aufrollen lässt. Eine Putzkelle und größeres handwerkliches Geschick sind dafür nicht notwendig. Es gibt auch Rollputz für Außenanwendungen – etwa an der Fassade. Wir konzentrieren uns hier aber auf die gebrauchsfertigen Produkte für die Wand- und Deckenbeschichtung im Innenraum.

Die Verarbeitung von Rollputz ist fast so einfach wie die von normaler Innenwandfarbe. Die Betonung liegt auf „fast“, denn ganz so einfach wie Tapetenstreichen ist die Sache dann doch nicht. In der Regel ist nämlich vor dem Putzauftrag noch eine Grundierung notwendig, und wer das Potenzial des Rollputzes ganz ausschöpfen möchte, benötigt zumindest etwas kreatives Geschick, um das Material mit Instrumenten wie der Finishwalze oder dem Finishpinsel nach individuellen Vorlieben zu strukturieren. Gleichwohl handelt es sich um ein typisches DIY-Produkt, das Heimwerker auch im Baumarkt erwerben können.

Gebrauchsfertige Produkte

Für den „Easyputz“ bietet der Hersteller auch separat erhältliche Farbpigmente.

Für den „Easyputz“ bietet der Hersteller auch separat erhältliche Farbpigmente.

Roll-Innenputz für die eigenen vier Wänden ist ein Mörtel zur vollflächigen Beschichtung von Wand- und Deckenoberflächen, der – wie jeder andere Mörtel – aus den drei Hauptkomponenten Sand, Wasser und Bindemittel besteht. Anders als zum Beispiel bei Mauermörtel handelt sich aber meist nicht um Trockenmörtel, den man auf der Baustelle noch mit Wasser anrühren muss. Stattdessen überwiegen in diesem Marktsegment gebrauchsfertige Produkte, die sich direkt aus dem Gebinde heraus verarbeiten lassen. Als Bindemittel kommt bei vielen Produkten Kunstharz zum Einsatz, manche Hersteller setzen aber auch auf mineralische Bindemittel wie Kalk und Lehm oder auf eine Mischung verschiedener Bindemittel.

Vor dem Gebrauch muss man die praktischen Fertigputze nur kurz aufrühren. Anschließend lassen sie sich kinderleicht mit einer handelsüblichen Farbwalze verarbeiten, wie man sie auch für herkömmliche Wandfarben benutzt. Damit das in der Praxis auch gut funktioniert, sind die Rollputze flüssiger als normale Putze. Es handelt sich also um relativ dünnflüssige Putze oder um eher dickflüssige Farben – wie man`s nimmt.

Das Einzige, was die Anwender im Vorfeld gegebenenfalls noch zu mischen haben, sind die optional erhältlichen Farbzusätze. Rollputz wird standardmäßig meist in Weiß angeboten, lässt sich aber vielfältig einfärben. Übrigens kann man die Produkte neben der Farbwalze durchaus auch mit einem Pinsel auftragen. Rollputze werden deswegen häufig auch als Streichputze bezeichnet. An Stellen, wo man mit der Rolle nicht hinkommt, ist der Einsatz eines Pinsels sogar notwendig.

Mögliche Untergründe

Mit einem Finishpinsel kann man nach dem Auftrag individuelle Wischstrukturen erstellen.

Mit einem Finishpinsel kann man nach dem Auftrag individuelle Wischstrukturen erstellen.

Rollputze lassen sich auf einer Vielzahl von Untergrundmaterialien aufbringen. Wichtigste Bedingung ist, dass der Untergrund ebenflächig ist. Ist das nicht der Fall, wird die Sache schon kniffliger. Der Putz wird mit der Rolle ja nur dünn aufgetragen und eignet sich nicht zum Nivellieren von Unebenheiten. Solche sind gegebenenfalls mithilfe von Spachtelmassen oder einem Unterputz auszugleichen. Bei Mauerwerk mit Fugen ist das zum Beispiel notwendig.

Derartige Untergrundvorbereitungen sind natürlich tendenziell doch eher etwas für den Profi-Handwerker. Es gibt aber viele andere Untergründe, auf denen der Heimwerker Rollputz auch ohne größere Vorarbeiten direkt auftragen kann. Rollputze eignen sich zum Beispiel zur Beschichtung von bestehenden Putzen und Farbanstrichen, aber auch auf festsitzenden Tapeten, Gipskarton- und Gipsfaserplatten sowie sogar auf Beton.

Wichtig ist in jedem Fall, dass die Flächen glatt, sauber, staubfrei, trocken und tragfähig sind. Alte Tapeten müssen also unbedingt noch fest mit dem Untergrund verbunden sein. Kleiner Trick zur Überprüfung: Wenn man einen nassen Schwamm etwa eine halbe Minute auf die Tapete drückt, darf diese keine Blasen werfen.

In der Regel ist zudem ein grundierender Voranstrich notwendig. Das gilt insbesondere für stark saugende Untergründe wie zum Beispiel Gipskartonplatten. Bei Untergründen aus Trockenbauplatten muss man zudem die Fugenbereiche verspachteln. Die vollflächig aufzutragende Grundierung benötigt mindestens sechs Stunden zum Trocknen. Erst danach kann der Rollputz verarbeitet werden.

Viele Vorteile – wenige Nachteile

Warum aber sollte man überhaupt Putz anstatt normale Farbe für seine Innenräume verwenden? In vielen Fällen ist das einfach praktisch. Wer die Betondecke direkt mit Rollputz beschichtet, spart sich anstrengende Tapezierarbeiten über Kopf. Aber auch im Wandbereich gilt: Wer dort mit Raufaser tapeziert, muss anschließend streichen – in der Regel mit der Farbwalze. Wer dagegen direkt den Fertigputz aufrollt, spart sich dieses „Finish“ und muss trotzdem nicht auf Farbe verzichten, wenn er vorher die handelsüblichen Farbpigmente in den gebrauchsfertigen Putz einrührt.

Optisch ist Rollputz ohnehin ein Hingucker – egal ob eingefärbt oder nicht. Rollputz wirkt einfach edler als Raufasertapeten. Und er lässt sich viel individueller gestalten, wenn man den aufgetragenen Putz anschließend noch mit einer Strukturrolle oder einem Strukturschwamm beziehungsweise mit einem Finishpinsel für Wischstrukturen bearbeitet. Dafür bleiben nach dem Auftrag etwa 15 bis 20 Minuten Zeit – solange die Putzoberfläche feucht ist. Die Optik der Beschichtung wird übrigens auch durch die Größe der Sandkörner im Putzmörtel beeinflusst. Die Hersteller bieten in der Regel mehrere Produktvarianten – von sehr fein- bis grobkörnig.

Ein weiterer Vorteil des Rollputzes ist, dass er in der Regel noch langlebiger als eine typische Raufasertapete ist. In jedem Fall ist er abriebfester, kleinere Beschädigungen fallen weniger auf. Kratzer oder Schrammen lassen sich einfach reparieren, indem man sie mit einem Tuch abreibt. Dafür lässt sich Rollputz allerdings deutlich schwerer wieder entfernen als Tapeten. Das ist sicherlich ein Grund dafür, dass Menschen in Mietwohnungen oft vor einer Renovierung mit Rollputz zurückschrecken. Das Material ist eben nur beim Einbau, nicht aber beim Rückbau praktisch.

„Easyputz“ von Knauf

Die „Compact Colors“ von Knauf gibt es in zehn verschiedenen Pastelltönen.

Die „Compact Colors“ von Knauf gibt es in zehn verschiedenen Pastelltönen.

Die Bilder zu diesem Beitrag zeigen das Produkt „Easyputz“ von Knauf. Dabei handelt es sich nach Herstellerangaben um einen lösemittelfreien und emissionsarmen Dekorputz zum Rollen beziehungsweise Streichen, der zudem auch wasserdampfdurchlässig ist und daher ein gesundes Wohnklima fördern soll. Knauf spricht von einem mineralischen Produkt, allerdings enthält der Easyputz auch Kunstharze. Im Technischen Merkblatt wird der Easyputz definiert als „Fertigputz aus Calciumaluminatsulfat, Polymer Kunstharzdispersion, Kalksteinmehl, Titandioxid, Marmorkörnung und Methylcellulose“.

Das über Baumärkte vertriebene Produkt für Wohnbereiche, Flure und Treppenhäuser bietet Knauf in zwei Varianten an. Für eine feine Optik gibt es den gebrauchsfertigen, von Haus aus mattweißen Rollputz in der Körnung 0,5 mm. Wer es lieber etwas akzentuierter möchte, wählt den Easyputz 1,0 mm. Zum Einfärben bietet Knauf hochkonzentrierte Farbpigmente („Compact Colors“) in zehn verschiedenen Pastelltönen (siehe Grafik). Wer kräftigere Farben wünscht, muss die Putzschicht überstreichen. Knauf empfiehlt dafür seine diffusionsoffene Renovierfarbe „Easyfresh“, die sich ebenfalls mit Compact Colors einfärben lässt.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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