RM Rudolf Müller
Das Verputzen der Strohballen schützt vor Feuchtigkeit und Brandgefahr.

Das Verputzen der Strohballen schützt vor Feuchtigkeit und Brandgefahr.

Dämmstoffe
12. März 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Außenwände mit Strohdämmung

Im Beitrag „Was sind Strohbauplatten?“ haben wir bereits Trockenbauplatten aus kartonummanteltem Stroh vorgestellt – eine Alternative zu herkömmlichen Gipskartonplatten. Doch Strohbaustoffe sind nicht nur auf den Innenausbau beschränkt. Man findet sie auch im Außenwandbereich. Strohballen eignen sich als ausfachender Dämmstoff für Wände in Holzständerbauweise. Und neuerdings gibt es sogar WDVS-Dämmplatten aus Stroh.

Für den Strohballenbau verwendet man quaderförmige Ballen aus gepresstem Getreidestroh und einer Rohdichte zwischen 85 und 115 kg/m³. Das Material stammt aus der Landwirtschaft und wird meist zur Ausfachung der Hohlräume von wandbildenden Holzständerwerken verwendet. Auf diese Weise lassen sich auch tragende Außenwände konstruieren.

Bauaufsichtlich zugelassen ist in Deutschland allerdings nur der nicht-lasttragende Strohballenbau. Die Strohballen selbst dürfen also nicht druckbelastet werden. Beim lasttragenden Strohballenbau dagegen wirken Druckkräfte auch direkt auf die Ballen – zum Beispiel das Gewicht des Daches. Diese Bauweise ist hierzulande bisher nicht erlaubt.

Bauaufsichtlich zugelassen

Bei diesem vorgefertigten Wandelement wird die erste Kalkputzlage schon im Werk aufgetragen.

Bei diesem vorgefertigten Wandelement wird die erste Kalkputzlage schon im Werk aufgetragen.

Beim zugelassenen nicht-lasttragenden Strohballenbau dienen die Ballen als Wärmedämmung, sie übernehmen aber keine statischen Funktionen. Das ist die Aufgabe des Holzständerwerks. Obwohl grundsätzlich erlaubt, sind Außenwände mit Strohballendämmung in Deutschland aber noch nicht besonders verbreitet. Der Fachverband Strohballenbau Deutschland e. V. (FASBA) schätzt, dass es hierzulande bisher nur etwa 300 strohgedämmte Gebäude gibt.

Der Verband war es auch, der die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) für Wärmedämmstoff aus Strohballen („Baustroh“) beantragt hat. Sie wurde 2014 vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt. Die Zulassung (Nr. Z-23.11-1595) definiert unter anderem, welche Eigenschaften die Strohballen haben müssen und wie sie zu verarbeiten sind.

Eine Vorschrift lautet zum Beispiel, dass die Strohballen so einzubauen sind, dass ihre Halme senkrecht zum Wärmestrom ausgerichtet sind – also quer zur Dickenrichtung der Wand. Die Zulassung legt zudem für die Strohballendämmung einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,052 W/(mK) fest. Dieser Wert wird für bauphysikalische Berechnungen wie den Wärmeschutznachweis eines Gebäudes nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) benötigt.

Feuchteschutz wichtig

Gemäß der Zulassung müssen die Strohballen auch unbedingt trocken eingebaut werden. Der Feuchtegehalt des Wärmedämmstoffs darf maximal 18 Masse-Prozent betragen.
Auch nach dem Einbau in die Holzständerwand darf das Stroh nicht nass werden, weil sonst Schimmelpilzbefall droht. Für den Feuchteschutz sorgt letztlich die äußere Beschichtung der Wandflächen. Die Strohoberflächen werden entweder verputzt oder man verkleidet sie mit Platten oder Brettern. Auch Dampfbremsfolien können zum Einsatz kommen.

Strohgedämmte Außenwände müssen auf jeden Fall luft- und winddicht ausgeführt sowie ausreichend diffusionsoffen sein. Darauf verweist der Fachverband Strohballenbau in seiner Strohbaurichtlinie. Für den Schutz vor äußeren Witterungseinflüssen sieht die Richtlinie entweder hinterlüftete Fassadenverkleidungen vor oder den Auftrag eines Kalkputzes mit diffusionsoffenem, aber wasserabweisendem Anstrich. Der Fachverband empfiehlt darüber hinaus ausreichend dimensionierte Dachüberstände als zusätzlichen Witterungsschutz. Im Sockelbereich ist die Außenwand gegenüber aufsteigender Feuchte abzudichten.

Brandverhalten

Die neuen WDVS-Strohdämmplatten kommen ohne künstliche Bindemittel aus. Foto: Maxit

Die neuen WDVS-Strohdämmplatten kommen ohne künstliche Bindemittel aus. Foto: Maxit

Loses Stroh brennt wie Zunder, gepresste Ballen sind dagegen schon deutlich schwerer entflammbar. Ab der Mindest-Rohdichte von 85 kg/m³ gelten sie als normal entflammbar (Baustoffklasse B2) und dürfen somit im Gebäudebereich zum Einsatz kommen.

Laut Strohbaurichtlinie kann eine tragende strohgedämmte Holzständerwand in die Feuerwiderstandsklasse F 30 („feuerhemmend“) eingeordnet werden, wenn die Strohballen beidseitig mit einer mindestens 8 mm starken Lehm-Schicht verputzt sind und die Konstruktion auch sonst alle Anforderungen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Nr. Z-23.11-1595 erfüllt. Eine solche Wand hat dann eine Feuerwiderstandsdauer von mindestens 30 Minuten bei einseitiger Brandbeanspruchung. Dasselbe Brandschutzniveau lässt sich auf der Raumseite der Außenwand grundsätzlich auch durch eine Beplankung mit Gipskarton oder Gipsfaserplatten erreichen.

Wände aus Holzständern mit Strohballendämmung können sogar die Feuerwiderstandsklasse F90 erreichen („feuerbeständig“), wenn man sie beidseitig mit Kalkputz beschichtet. Das hat sich der Fachverband Strohballenbau Ende 2014 durch ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis der Materialprüfungsanstalt Braunschweig bestätigen lassen.

WDVS-Dämmplatten aus Stroh

Als Nebenerzeugnis der Landwirtschaft ist Stroh eine nachhaltige und schadstofffreie Ressource, aus der sich ganz ohne Chemiezusatz Dämmstoffe mit ordentlicher Wärmeschutzleistung erstellen lassen. Das hat auch der fränkische Baustoffhersteller Maxit erkannt und präsentierte auf der Messe BAU 2019 in München eine Strohdämmplatte für WDVS-Fassaden in der Wärmeleitgruppe 048 (Foto oben).

Das Besondere an den Platten: Sie enthalten keine künstlichen Bindemittel. „Nach Jahren der Forschung konnten wir einen Protein-Klebstoff entwickeln, der vollständig biologisch und dennoch leistungsstark ist“, erklärt Maxit-Entwicklungschef Friedbert Scharfe. Dadurch sind die Platten vollständig kompostierbar und absolut wohngesund. „Wir pressen Stroh und ökologisches Bindemittel unter Wärmezufuhr und trocknen die Platten danach bei Umgebungsluft“, erläutert Scharfe. „So wird ab dem Zeitpunkt des Stroh-Dreschens bis zur fertigen Dämmplatte nur ein Bruchteil vom Energiebedarf anderer natürlicher Dämmstoffe benötigt.“


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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