RM Rudolf Müller
Die Platten (hier auf Porenbeton) sind diffusionsoffen und kapillaraktiv.   Foto: Xella

Die Platten (hier auf Porenbeton) sind diffusionsoffen und kapillaraktiv. Foto: Xella

Dämmstoffe
19. Juni 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Mineraldämmplatten?

Mineraldämmplatten kommen insbesondere für die Innendämmung oft zum Einsatz. Hier spielen sie ihren größten Vorteil aus: die Feuchteunempfindlichkeit. Das erleichtert die Montage des Innendämmsystems, weil das fehleranfällige Verlegen einer Dampfbremsbahn entfällt. Mineraldämmplatten können Feuchtigkeit zwischenspeichern, ohne dass Schimmel oder andere Schäden drohen. Das nicht brennbare Material dünstet außerdem keinerlei Schadstoffe aus.

Mineraldämmplatten bestehen größtenteils aus Sand, Kalk, Zement und Wasser. Die weißen Platten, die optisch stark an Porenbeton erinnern, gehören zur Gruppe der so genannten kapillaraktiven Innendämmungen, zu denen beispielsweise auch Perlite– und Kalziumsilikatplatten zählen. Kapillaraktiv bedeutet, dass die Platten nicht nur Wasserdampf aufnehmen können, also diffusionsoffen sind, sondern auch die Fähigkeit haben, viel flüssiges Wasser aufzusaugen. Man spricht hier von einem guten Sorptionsvermögen.

Die Feuchtigkeit wird zwischengespeichert, ohne dass das Material dabei Schaden nimmt oder Schimmel ansetzt. Bei Bedarf wird sie zeitversetzt wieder an die Innenraumluft abgegeben. Für Innendämmungen ist ein Material mit solchen Eigenschaften natürlich ideal, weil sich damit Feuchteschäden und Schimmelbildung im Innenraumbereich sicher vermeiden lassen. Die Funktion der Platten als Feuchtigkeitspuffer trägt zudem zu einem besseren Innenraumklima bei.

Dampfbremse überflüssig

Natürlich lässt sich eine Innendämmung auch mit Dämmstoffen realisieren, die nicht so feuchteresistent wie Mineraldämmplatten sind. Diese Produkte muss man dann aber mit einer Dampfbremse vor der Feuchtigkeit aus der Innenraumluft schützen. Das erfordert ein genaues Arbeiten des Handwerkers. Die Dampfbremse muss absolut dicht sein und ist entsprechend sorgfältig zu verkleben. Sie darf zudem auch später niemals beschädigt werden – etwa durch Nägel in der Wand.

Bei einer Innendämmung mit Mineraldämmplatten entfallen solche Risiken von vorneherein. Man braucht die Platten nicht vor Feuchtigkeit zu schützen, eine Verlegung von Dampfbremsen ist daher überflüssig. Das hat auch den Vorteil, dass Feuchtigkeit, die sich eventuell im Mauerwerk befindet und von außen in die Dämmung „wandert“, auch nach innen austrocknen kann.

Vielseitig einsetzbar

Mineraldämmplatten werden einfach an Innenwände und in Fensterlaibungen geklebt.  Foto: Xella

Mineraldämmplatten werden einfach an Innenwände und in Fensterlaibungen geklebt.  Foto: Xella

Die Anwendung von Mineraldämmplatten ist übrigens nicht auf Innendämmungen beschränkt. Auch für andere Gebäudebereiche eignet sich das Material. Die Platten sind fast auf allen Untergründen anwendbar, lassen sich einfach zuschneiden und je nach Bedarf schrauben, dübeln oder einfach nur mit Klebemörtel befestigen. Das ermöglicht zum Beispiel auch den Einsatz bei Steil-, Flachdach- oder Deckendämmungen.

Auch als Bestandteil eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) sind Mineraldämmplatten eine Option. Sie sind nämlich trotz ihrer relativ hohen Porosität formstabil und druckfest. Es handelt sich keinesfalls um einen elastischen Dämmstoff, der bei Fingerdruck nachgibt. Außerdem sind die Platten nicht brennbar (Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1).

Extrem porenreich

Für die Herstellung von Mineraldämmplatten mischt man Sand, Kalk, Zement und Wasser und schäumt die entstandene Masse anschließend mithilfe spezieller Porenbildner auf. Deshalb sind die Platten im Handel oft auch unter der Bezeichnung „Mineralschaumplatten“ erhältlich. Durch das Aufschäumen entsteht ein extrem porenreicher Baustoff. Der Luftporenanteil liegt bei über 95 %. Bei Platten mit geringer Rohdichte kann er sogar bis auf 98 % ansteigen. Der Rest entfällt auf das rein mineralische Material, das schimmelresistent ist und keine schädlichen Emissionen ausgast.

Mineraldämmplatten sind noch einmal deutlich poröser als Porenbetonsteine, deren Luftanteil bei etwa 80 % liegt. Aber natürlich muss Porenbeton stabiler sein, schließlich kommt der Baustoff für tragendes Mauerwerk zum Einsatz. Dafür haben Mineraldämmplatten eine geringere Wärmeleitfähigkeit. Logisch: Schließlich handelt es sich ja um Dämmstoffe.

Bei den Mineraldämmplatten des Herstellers Xella (Marke „Multipor“) liegt der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit beispielsweise bei 0,042 W/mK. Zum Vergleich: Die Wärmeleitfähigkeit von Porenbetonsteinen liegt in der Regel um 0,07 W/mK – ist also ein gutes Stück höher. Der Wert 0,042 W/mK beim Multipor-Produkt bezieht sich auf die Platten mit der geringsten Rohdichte (90 kg/m3). Bei Platten mit höherer Rohdichte ist auch die Wärmeleitfähigkeit etwas höher. Mineraldämmplatten werden in der Regel mit Rohdichten zwischen 90 und 130 kg/m³ produziert.

Verarbeitung bei Innendämmung

Auch für die Deckendämmung eignen sich Mineraldämmplatten. Foto: Xella

Auch für die Deckendämmung eignen sich Mineraldämmplatten. Foto: Xella

Wie die Verarbeitung einer Innendämmung mit Mineraldämmplatten im Detail funktioniert, zeigt dieses Multipor-Video. An dieser Stelle beschränken wir uns daher auf eine grobe Darstellung der wichtigsten Schritte. Mineraldämmplatten eignen sich für die meisten Mauerwerk-, Putz- oder Bauplattenuntergründe und werden einfach mit Mörtel an die Innenwand geklebt. Auf die verklebten Platten verlegt man zunächst ein Armierungsgewebe, das anschließend vollflächig mit Kalkputz beschichtet wird. Für das abschließende Oberflächenfinish eignet sich eine diffusionsoffene Innenfarbe. Anders als zum Beispiel bei Innendämmungen mit Dampfbremse ist keine Verkleidung aus Trockenbauplatten notwendig, um die Folie vor Beschädigungen zu schützen.

Unterschied zu Kalziumsilikatplatten

Kalziumsilikatplatten sind eine Sonderform der Mineraldämmplatten. Ihre Zusammensetzung ist ähnlich, aber nicht identisch. Die auch als „Klimaplatten“ vermarkteten Produkte enthalten nämlich neben Branntkalk (Kalziumoxid), Quarzsand (Siliciumdioxid) und Wasser auch kleine Mengen an pflanzlichen Zellulose-Fasern und Wasserglas (wasserlösliche Alkalisilikate). Dafür enthalten sie keinen Zement.

Kalziumsilikatplatten unterscheiden sich von normalen Mineraldämmplatten vor allem dadurch, dass sie noch viel mehr Wasser aufnehmen können. Sie haben geradezu schwammartige Eigenschaften und sind dank ihres sehr hohen ph-Werts (oft über 12) absolut resistent gegen Schimmelbildung.

Allerdings sind die Platten relativ teuer, weshalb sie vorrangig nur für Spezialaufgaben wie die Behandlung feuchter Außenwände oder für Anwendungen in Feuchträumen eingesetzt werden. Bei der Innendämmung verwendet man sie meist nur punktuell an besonders feuchtebelasteten Stellen. Eine vollflächige Dämmung mit Kalziumsilikatplatten macht auch deshalb wenig Sinn, weil das Material im Vergleich zu normalen Mineraldämmplatten eine höhere Wärmeleitfähigkeit hat (um 0,06 W/mK).


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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