RM Rudolf Müller
Der mineralische Hochleistungsdämmputz „Heck Aero iP“ enthält Aerogel. Foto: Heck Wall Systems

Der mineralische Hochleistungsdämmputz „Heck Aero iP“ enthält Aerogel. Foto: Heck Wall Systems

Dämmstoffe
22. August 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Wärmedämmputz?

Wärmedämmputzmörtel dämmen besonders gut, weil sie im Vergleich zu Normalputz eine besonders geringe Trockenrohdichte haben. Mehr noch: Sogar im Vergleich zu den so genannten Leichtputzen ist ihre Rohdichte noch einmal ein gutes Stück niedriger. Warum das so ist, erläutert der folgende Beitrag.

Von Leichtputz spricht man, wenn die Trockenrohdichte des Mörtels weniger als 1.300 kg/m3 beträgt. Wärmedämmputze beginnen dagegen erst ab einer Trockenrohdichte unterhalb von 600 kg/m3. Unter der Trockenrohdichte versteht man das Gewicht des trockenen Putzes bezogen auf sein Volumen. Deshalb die Maßeinheit kg/m3.

Die Rohdichte eines Materials wird auch als „geometrische Dichte“ oder „Raumgewicht“ bezeichnet. Warum? Weil die Rohdichte die Masse des gesamten Materialvolumens bezeichnet, inklusive der Luftporen innerhalb des Stoffs. Als Reindichte bezeichnet man dagegen das Gewicht der puren Stoffmasse ohne möglicherweise enthaltene Poren.

Trockenrohdichte entscheidend

Wärmedämmputze haben eine niedrige Trockenrohdichte, weil sie sehr porös sind. In der Regel handelt es sich um diffusionsoffene, mineralische Mörtel auf Kalk- oder Zementbasis. Um die gewünschte hohe Porosität zu erreichen, sind allerdings spezielle Leichtzuschläge notwendig. Meist werden dem Putz EPS-Kügelchen hinzugefügt. Dazu muss man wissen: Der expandierte Polystyrol-Hartschaum EPS („Styropor“) hat einen Luftporenanteil von bis zu 98 %! Kein Wunder also, dass mit EPS angereicherte Putzmörtel besonders geringe Rohdichten aufweisen.

Es gibt aber auch EPS-freie Wärmedämmputze. Diese enthalten dann andere Leichtzuschläge – häufig Perlite, aber auch mineralische Zusätze wie zum Beispiel Blähglas oder Kalsilite kommen vor. Putze mit mineralischen Leichtzuschlägen dämmen allerdings nicht so gut wie die mit den organischen EPS-Kügelchen. Besonders wärmedämmend sind wiederum Putzmörtel, denen moderne Hochleistungsdämmstoffe wie Aerogel zugesetzt wurden.

Die geringe Dichte von Wärmedämmputz, sein hoher Luftporenanteil bewirkt, dass das Material eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat. Deshalb kann Wärmedämmputz im Gebäudebereich dämmende Funktionen übernehmen. Die DIN EN 998-1 definiert Wärmedämmputze als Putzmörtel mit einer Wärmeleitfähigkeit von maximal 0,2 W/mK (der so genannte „λ-Wert“). Wobei die tatsächlichen λ-Werte der am Markt angebotenen Produkte meist deutlich unter diesem Maximalwert liegen. Putz mit EPS-Zuschlag hat in der Regel eine Wärmeleitfähigkeit um 0,07 W/mK. Die Produkte mit Aerogel erreichen sogar Werte bis zu 0,028 W/mK. Damit übertreffen sie sogar klassische Dämmstoffplatten aus Mineralwolle oder Polystyrol-Hartschaum.

Technische Spezifikation für Wärmedämmputz

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) hat erstmals eine Technische Spezifikation für alle Wärmedämmputzmörtel nach DIN EN 998-1 erstellt (siehe News vom 8. Mai 2019). Das Papier definiert Eigenschaften, die Wärmedämmputzmörtel haben müssen, damit sie in deutschen Bauwerken auch tatsächlich angewendet werden dürfen. Der Fokus liegt dabei auf der Wärmeleitfähigkeit und dem Brandverhalten der Produkte. Die Technische Spezifikation dokumentiert damit freiwillige Herstellerangaben zu Wärmedämmputzen, die von der CE-Kennzeichnung nicht erfasst sind.

Brandverhalten

Klassischer Wärmedämmputzmörtel mit EPS-Leichtzuschlägen. Foto: Saint-Gobain Weber

Klassischer Wärmedämmputzmörtel mit EPS-Leichtzuschlägen. Foto: Saint-Gobain Weber

Ein Abschnitt der Technischen Spezifikation beschreibt das Brandverhalten sowohl von organischen als auch von mineralischen Wärmedämmputzen. Je nach Art der Leichtzuschläge sind die Produkte den Baustoffklassen A1 („nicht brennbar“), A2 („nicht brennbar, mit geringen organischen Bestandteilen“) oder B1 („schwer entflammbar“) nach DIN EN 13501 zuzuordnen.

In der Technischen Spezifikation werden zum Beispiel mineralische Wärmedämmputze, deren Gehalt an homogen verteilten organischen Zuschlägen maximal 1 % beträgt, der Baustoffklasse A1 zugeordnet. Und Mörtel mit EPS-Leichtzuschlag, die einen organischen Anteil von weniger als 12 % aufweisen, werden zu den Baustoffen der Baustoffklasse A2 gerechnet.

Typische Einsatzbereiche

Gemäß Technischer Spezifikation des VDPM wird Wärmedämmputz üblicherweise als Unterputz verarbeitet. Er ist also Teil eines mehrschichtigen Putzsystems bestehend aus Unterputz (Wärmedämmputz), Armierungsputz mit Gewebeeinlage als Zwischenlage und Oberputz. Dabei muss die Schichtstärke des Wärmedämmputzmörtels mindestens 20 mm betragen. Als Oberputze verwendet man meist diffusionsoffene Edelputze, Silikatputze oder Silikonharzputze.

Wärmedämmputz wird vor allem außen als Zusatzdämmung von wärmedämmendem Mauerwerk (Porenbeton, gefüllte Ziegel) angewendet. In dieser Funktion ist er eine Alternative zu Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Auch für denkmalgeschützte Fassaden, die bei einem Einsatz dicker Dämmplatten nicht mehr sichtbar wären, ist er eine gute Alternative. Zweiter wichtiger Anwendungsbereich ist laut VDPM die Innendämmung. Da die Putze diffusionsoffenen und kapillaraktiv sind, kann bei dieser Anwendung auf eine innenseitige Dampfsperre verzichtet werden.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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